Hochfest Allerheiligen 2016

„DER KRANZ DER GERECHTIGKEIT" (2 Tim 4,8)

DAS EWIGE LEBEN ALS GNADE UND LOHN

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Heute soll uns ein Wort des heiligen Paulus inspirieren, ein wenig über den Himmel nachzudenken, eine Stelle aus dem zweiten Timotheusbrief. Dieser Brief ist wie ein Testament an Timotheus. Paulus ermahnt seinen geistlichen Sohn, den Bischof Timotheus, das Glaubensgut unverfälscht zu bewahren, treu das Evangelium zu verkünden. Paulus selber hat schon die Vorahnung des Martyriums: "Ich werde nunmehr geopfert," schreibt er. Er weiß, dass seine Zeit auf dieser Welt zu Ende geht: "Die Zeit meines Aufbruchs ist nahe." Was er dann über sich selber schreibt, hat er nicht einfach erdichtet. Es sind Worte eines Mannes, der durch viele Werke der Liebe, durch viel Prüfung und Verfolgung im Glauben gereift ist und so seinen Lebensweg von Gott her begreift.

           

Paulus kann vor Gott aufrichtig sagen: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten." Das sagt dieser Mann sozusagen in einer Gewissenserforschung über sich selbst. Was er dann anfügt, ist sicher nicht stolz und selbstsicher gemeint: "Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit." Nach einem mühsamen Lebenskampf und dem Reifen im Glauben hat er den Frieden des Gewissens und hat ein solches Vertrauen im Herzen. Es ist eine Glaubenseinsicht, in der Hoffnung auf Christus gesprochen, von dem er gesagt hat: Er "hat mich geliebt und sich für mich hingegeben" (Gal 2,20). In dieser Hoffnung, diesem Vertrauen, das der Glaube schenkt, sieht Paulus bei Christus den Kranz der Gerechtigkeit auf ihn warten.

           

Paulus verwendet hier das Symbol des Siegeskranzes. Es stammt aus der griechisch-römischen Antike. Der Siegeskranz war ein Symbol für eine besondere Ehre oder Auszeichnung zB im Bereich der Politik, der Kultur; auch ein Symbol für einen Sieg oder einen Erfolg, zB im Sport, bei der Olympiade. Solche Wettkämpfe gab es in der Rennbahn, in der Arena, im Theater. Die Sieger wurden eben mit einem Siegeskranz gekrönt.

           

Auch im ersten Korintherbrief knüpft Paulus bei diesen antiken Wettkämpfen an. Er will uns damit sagen: Der Himmel fällt uns nicht einfach in den Schoß. Im geistigen Sinn haben wir um das Ewige Leben zu ringen und zu kämpfen. Das Wort Gottes warnt uns sehr deutlich, dass wir den Siegespreis des ewigen Lebens auch verlieren können. "Wisst ihr nicht," sagt Paulus, "dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen" (1 Kor 9,24-25).

           

Der vergängliche Siegeskranz in der Antike war aus Holunder oder Kiefer geflochten, bei großen Persönlichkeiten war es ein Lorbeerkranz, der manchmal vergoldet war. Das Fest Allerheiligen stellt uns den unvergänglichen Siegeskranz des ewigen Lebens vor Augen. Woraus besteht der unvergängliche Siegeskranz des Himmels? Der unvergängliche Siegeskranz setzt sich zusammen aus Gnade und aus Lohn (*). Was bedeutet das?

           

Der Siegeskranz des Himmels ist besteht zuerst aus Gnade. Dh der Himmel ist ein reines Geschenk der Güte Gottes. Wir können und wir brauchen uns den Himmel nicht "erarbeiten" oder "erleisten". Paulus sagt: "Wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben" (1 Kor 2,9).

           

In diesen Siegeskranz der Gnade ist noch etwas hinein geflochten: der persönliche Lohn für die Werke des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, die jeder in seinem Leben vollbracht hat. In diesem Sinn sind im Himmel nicht alle Menschen gleich. Das Maß der ewigen Glückseligkeit, ist nicht bei jedem Menschen gleich. Es gibt auch einen Lohn, der jedem ganz persönlich für seine Werke von Gott zugemessen und gegeben wird. Vor Gott gleich sind alle Menschen nur in dem Sinn, dass es bei Gott kein Ansehen der Person gibt (Röm 2,11).

           

Die Heilige Schrift spricht immer wieder von diesem persönlichen Lohn, den jeder empfängt:

           

Christus sagt: "Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen" (Mt 16,27).

           

In Bezug auf gute Werke sagt Paulus: "Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer reichlich sät, wird reichlich ernten" (2 Kor 9,6).

           

Allen, die sich für ihre Mitmenschen im Glauben mühen, sagt er: "Geliebte Brüder, seid standhaft und unerschütterlich, nehmt immer eifriger am Werk des Herrn teil und denkt daran, dass im Herrn eure Mühe nicht vergeblich ist" (1 Kor 15,58). Wer sich auf Erden bemüht, Gutes zu tun, Gott und der Kirche die Treue zu halten, zB das Hl. Messopfer, die Sakramente und die Gnaden zu schätzen, die Christus uns durch die Kirche anbietet, der wird in der Ewigkeit von Gott dafür den Lohn erhalten. Diejenigen Getauften, die an allen diesen Gnaden gleichgültig vorbei leben, sie verachten, werden einmal in der Ewigkeit ganz arm vor Gott dastehen.

           

Der Kranz der Gerechtigkeit, der Siegeskranz des ewigen Lebens, von Gott uns bereitet aus seiner Gnade und dem persönlichem Lohn. Mögen die Muttergottes, unsere Namenspatrone, und unsere gläubigen Vorfahren uns helfen, so wie sie auf dieser Welt den Siegeskranz vorzubereiten, den Gott uns in der jenseitigen Welt geben will. Amen.

           

(*) Konzil von Trient, Dekret über die Rechtfertigung, Kap. 16

        

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