30. Sonntag im Jahreskreis - 23. Sonntag nach Pfingsten 2016

„ICH DENKE GEDANKEN DES FRIEDENS“ (Introitus)

DER SELIGE KAISER KARL, EIN MANN DES FRIEDENS

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

"Ich denke Gedanken des Friedens, nicht des Verderbens. Ich werde euch heimführen aus der Gefangenschaft." Im heutigen Introitus richtet Gott dieses Wort an uns. Gott hat für uns Menschen Gedanken des Friedens. Das bedeutet: Gott hat für uns Pläne des Friedens, des Heils und des Segens.

           

Wir denken heute an einen Seligen, der diesen Friedensplan Gottes in sein Herz und in sein Leben aufgenommen hat: Der Selige Kaiser Karl. Für das höchste politische Amt in Österreich-Ungarn war er weder vorbereitet, noch hat er danach gestrebt. Durch verschiedene schmerzliche Vorfälle im Österreichischen Kaiserhaus kam er in die Nachfolge von Kaiser Franz Josef. Das geschah vor 100 Jahren, am 21. November 1916. Am 30. Dezember 1916 wurde er in Budapest zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt. Es war mitten während des ersten Weltkriegs. An den Entscheidungen, die zum Krieg führten, war Karl nicht eingebunden, er hat den Krieg weder verursacht, noch gewollt. Er hat bei seinem Regierungsantritt ein schweres Erbe übernommen. Vom ersten Tag seiner Verantwortung an suchte er den Frieden zu verwirklichen. Hier erkennen wir seine edle und hohe Auffassung für sein Amt. Er hat sich nie als "Herrscher" verstanden, der über anderen steht. Er wollte wie Christus ein Diener aller sein. Er hatte die Überzeugung, dass es nur einen eigentlichen Herrscher gibt, das ist Christus der König. Ihm dürfen wir Menschen gemeinsam dienen. Politik als Dienst an den Menschen verstehen – in der Verantwortung vor Gott, wäre wieder sehr aktuell, vor allem, um aus den gegenwärtigen großen politischen Krisen herauszukommen. Johannes Paul II. hat den Seligen Karl bei der Seligsprechung auch den Politikern zum Vorbild gegeben.

           

Kaiser Karl wollte auch in seiner hohen Verantwortung ganz im Einklang stehen mit dem Willen Gottes und den Geboten Gottes. Er hatte die Gewohnheit, vor seinen Entscheidungen in die Kapelle zu gehen. Er kniete sich vor dem Tabernakel, um im Gebet das Richtige zu erkennen. Er hatte auch die Gewohnheit, täglich den Hymnus zum Heiligen Geist zu beten.

           

Kaiser Karl war der einzige Staatspolitiker der damaligen Zeit, der die Friedensbemühungen des Papstes Benedikt XV. aufgegriffen hat. Er hat alles in seiner Macht stehende getan, viele konkrete Versuche, geheime Verhandlungen, um den Frieden für Europa zu erreichen. Er war auch der einzige hohe Staatspolitiker, der die Soldaten an der Front besucht hatte und einen Begriff vom Elend des Krieges hatte. Die Soldaten haben ihn öfter mit dem Rosenkranz in der Hand gesehen. Karl hat gewusst, dass man für den Frieden auch beten muss. Karl wusste auch, was der Tod, mit dem wir heute im Evangelium konfrontiert werden, bedeutet. Mit seiner aufrichtigen Haltung des katholischen Glaubens und der christlichen Hoffnung hat er sich auf die Seite Christi gestellt, der die Toten erweckt, und dem Leben gedient.

           

Es ist so, dass wir beim Seligen Karl keine Erfolge und Leistungen im menschlichen Sinn finden, zumindest nicht während seiner zweijährigen Verantwortung für Österreich-Ungarn. Ganz im Gegenteil. Während dieser Zeit sind alle seine Bemühungen für den Frieden und für die Zukunft Österreich gescheitert. Er musste eine Katastrophe nach der anderen mitmachen und sicher innerlich durchleiden. Auch schwere Verleumdungen gegen ihn und die Kaiserin Zita; Minister, Generäle, Mitarbeiter haben gegen ihn gearbeitet. Was er ertragen musste, ging über die menschlichen Kräfte hinaus. Es waren viele Situationen zum Aufgeben und Verzweifeln. Es war im Chaos des Krieges und des allgemeinen Zusammenbruchs fast aussichtslos. Doch Karl hat nie aufgegeben. Hierin zeigt sich auch seine heroische Glaubenshaltung. In der Kraft des Glaubens hat er nicht nur durchgehalten. Er hat immer wieder neu begonnen, das wenige zu tun, was menschlich noch möglich war. Sein Vertrauen setzte er auf das Heiligste Herz Jesu, dem er seine Familie weihte, auf die Muttergottes, die er in Mariazell als die große Mutter Österreichs verehrte.

           

Nach dem Zusammenbruch 1918 wurde er mit seiner Familie zuerst ins Exil in die Schweiz geschickt, dann nach Madeira verbannt. Die Familie war mittellos, sie hatte buchstäblich nichts mehr, war eine Flüchtlingsfamilie geworden. Im feuchten Sommerhaus in Madeira meinte er immer noch: „Wir müssen Gott danken. Es geht uns unverdient gut.“ Die Leute in Madeira wunderten sich, dass Kaiser Karl nie verbittert war oder nie schlecht über jene Menschen sprach, die ihm große Schwierigkeiten bereitet haben.

           

Kaiser Karl hat das Kreuz Christi getragen, von dem der hl. Paulus heute in der Lesung gesprochen hat. Er war ein Freund des Kreuzes Christi. Kaiser Karl hat den Frieden gesucht. Doch diesen Frieden hat er nicht in der Welt, sondern in Gott gefunden. In dem Sinn hat ihn Gott aus den geistigen Gefangenschaften, in die er hineingestellt war, befreit. Das Land der Freiheit war dieser innere Friede, den er in Gott gefunden hatte.

           

An Kaiser Karl sehen wir, dass der Einsatz für den Frieden in der Welt eine tiefe verborgene Quelle hat: Der Friede Christi im eigenen Herzen. Der Friede ist eine Frucht des Kreuzes, dh eine Frucht der Erlösung am Kreuz. Der innere Friede des menschlichen Herzens kommt aus der Vergebung der Sünden, deshalb ist der beste Friedensmarsch der Gang zum Beichtstuhl, wie Kardinal Meissner einmal gesagt hat. Der Friede kommt aus der Gemeinschaft mit Gott, aus dem Dienst an den Mitmenschen. In diesem Sinn hatte Kaiser Karl ein reines Gewissen, eine tief Gottverbundene Seele. Inmitten der äußeren schweren Turbulenzen seiner Zeit, inmitten des Unfriedens, ja sogar des Hasses, der ihm entgegenschlug, der Angriffe der Unterwelt, hat er den inneren Frieden nie verloren, er hatte den Frieden Christi in sich. Das ist der Schlüssel für seinen äußeren Einsatz für den Frieden zwischen den Völkern.

           

Der Selige Karl. Ein Mann des Friedens. Er kann all jenen eine Hilfe sein, die es in ihrem Leben sehr schwer haben, die in ihrem Leben wenig oder keinen Erfolg haben, die menschlich "scheitern". Vor Gott zählt nicht der Erfolg. Im Blick auf den messbaren Erfolg dürfen wir nie vom "gelingen" oder "scheitern" des Lebens sprechen. Im Glauben gibt es kein Scheitern. Alles, was in Gott vollbracht ist, auch wenn es leidvoll oder schwer war, trägt Frucht für die Ewigkeit. Der Selige Karl weist uns auch den Weg zum Frieden der Erlösung im eigenen Herzen. Er motiviert uns, selber im Alltag zu den Menschen hin immer wieder Schritte des Friedens und der Versöhnung zu machen und auch andere dazu zu motivieren. Amen.       

 

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