26. Sonntag im Jahreskreis C) 2016 (19. Sonntag nach Pfingsten)

„ER SANDTE SEINE KNECHTE AUS, DIE GELADENEN ZUR HOCHZEIT ZU RUFEN" (Mt 22, 3)

LIEBE UND SÜHNE DEM EUCHARISTISCHEN CHRISTUS

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Das Himmelreich gleicht einem König, der für seinen Sohn eine Hochzeit bereitete. Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl hat mehrere Dimensionen. Es ist ein Bild für die Liebe Gottes, die um unsere Herzen wirbt, ein Bild für die Kirche, ein Bild des Gerichts, ein Bild für die Glückseligkeit des Himmels. Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl wurde in der Kirche immer auch Eucharistisch verstanden, deshalb wird es bei der Fronleichnamsprozession verkündet. Das königliche Hochzeitsmahl vollendet sich in der Freude des Himmels, doch es beginnt auf Erden und wird vorweggenommen durch die Eucharistie, das Allerheiligste Sakrament des Altars. Das Heilige Messopfer und die Heilige Kommunion sind das königliche Hochzeitsmahl auf Erden, der Himmel, den wir schon auf Erden verkosten dürfen.

           

Der Eucharistische Christus lädt uns ein, mit dem Allerheiligsten Sakrament des Altares zu leben. Zuerst lädt er uns zur Heiligen Messe ein. Zum Heiligen Messopfer kann jeder hinzutreten, der Gott sucht, der Gottes Gnade und Erbarmen erbittet. Der hl. Pfarrer von Ars sagt: „Um die Heilige Messe gut mitfeiern zu können, muss man im Stand der Gnade sein.“ Damit will er sagen: Um eine Freude an der Heilige Messe zu haben, um die Gnaden der Heiligen Messe zu empfangen, müssen wir Gottverbunden leben, im Stand der Gnade sein. Für den Empfang der Heiligen Kommunion unterscheidet die Kirche drei Arten des Empfanges:

           

a) Der rein äußerliche Empfang des Sakramentes.

           

Rein äußerlich empfängt die Heilige Kommunion, wer sein Herz nicht dafür bereitet hat. Der Römische Katechismus (*) lehrt: „Die nämlich empfangen bloß das Sakrament wie die Sünder, welche sich nicht scheuen, die heiligen Geheimnisse mit unreinem Munde und Herzen zu empfangen, von welchen der Apostel sagt (1 Kor 11, 29), dass <sie unwürdig den Leib des Herrn essen und trinken.> Von ihnen schreibt der heilige Augustinus: <Wer nicht in Christus bleibt, und in wem Christus nicht bleibt, der isst ohne Zweifel sein Fleisch nicht geistiger weise, wenn er auch in fleischlicher und sichtbarer Weise die Sakramente des Leibes und Blutes mit den Zähnen berührt.> Die also in diesem Seelenzustand die heiligen Geheimnisse empfangen, schöpfen aus ihnen nicht nur keine Frucht, sondern <essen und trinken sich das Gericht>, wie der Apostel (1 Kor 11, 29) selbst bezeugt." Da ist im Gleichnis der Mann ohne hochzeitliches Gewandt. Das ist ein Bild dafür, dass er sich für das Hochzeitsmahl – die Heilige Kommunion – nicht bereitet hat. Jesus hat im Gleichnis von den Folgen gesprochen.

           

b) Der geistige Empfang ohne das Sakrament.

           

Das ist die so genannte geistige Kommunion. Auch wer aus irgendwelchen Gründen nicht sakramental kommunizieren kann, kann die geistige Kommunion empfangen, immer und überall. Das tun wir mit einem ganz persönlichen Herzensgebet, zB: „Jesus, ich kann dich jetzt nicht in der Heiligen Kommunion empfangen. Komm geistiger Weise in mein Herz, erfülle mich mit Deiner Gnade, entzünde in mir Deine Liebe.“ Der Römische Katechismus schreibt über die Gläubigen, die die Geistige Kommunion empfangen: „Dies sind jene, welche jenes vorgelegte himmlische Brot mit dem Verlangen und im Willen genießen, entzündet <von dem lebendigen Glauben, welcher (Gal 5, 6) durch die Liebe wirkt>; hieraus schöpfen sie, wenn auch nicht alle, sicher überaus große Früchte und Vorteile.“

           

c) Der sakramentale und geistige Empfang des Sakramentes.

           

Das ist der sakramentale Empfang der Heiligen Kommunion im Stand der Gnade, wo wir die

geistigen Gnaden des Sakramentes empfangen. Über diese Gläubigen sagt der Katechismus Romanus: „Sie empfangen, da sie nach des Apostels (1 Kor 11, 28) Lehre <sich zuvor geprüft haben> und mit dem hochzeitlichen Kleid zu diesem göttlichen Tisch getreten sind, aus der Eucharistie jene eben erwähnten überreichen Früchte.“ Es gibt überall, auch in unserer Pfarrfamilie, Gläubige, die Christus lieben, treu mit der Kirche mitleben, keinen Sonntag und Feiertag auslassen, immer wieder auch am Werktag kommen, ein gutes Beispiel geben usw. und doch nicht kommunizieren. Diesen Gläubigen möchte ich sagen: „Bleibt nicht von der Heiligen Kommunion fern. Empfangt gerne den Herrn. Der Herr freut sich über euch. Ihr werdet durch die Heilige Kommunion viele Gnaden empfangen, im inneren Leben wachsen...

           

Wir begehen heute einen Tag der Anbetung als Sühne für die Sünden gegen das Allerheiligste Altarssakrament. Die Anregung dazu kommt von Bischof Dr. Athanasius Schneider aus Kasachstan. Warum tun wir das? Es gibt überall auf der Welt eifrige katholische Christen, die den Eucharistischen Christus lieben, mit ihm leben und ihm Freude bereiten. Doch es ist offenkundig, dass das Allerheiligste Sakrament des Altares von sehr vielen Gläubigen nicht mehr geschätzt wird. In Österreich feiern im Durchschnitt noch 5% der Katholiken die Sonntagsmesse mit. Die Eucharistie als das Kreuzesopfer Christi wird von vielen nicht mehr erkannt, sie wird vorwiegend auf der horizontalen Ebene verstanden, anderen Feiern gleichgestellt. Wieder andere kommunizieren ohne Bindung an den Sonntag und an das Gesamte des Katholischen Glaubens. Auch das Wegfallen der tieferen Zeichen der Ehrfurcht und Anbetung, wie sie zB im Knien zum Ausdruck gebracht wird, hat sich für die Kirche sicher nicht zum Vorteil ausgewirkt. Bischof Athanasius Schneider sagt: Jesus Christus in der Eucharistie ist in der Kirche unserer Tage „der Ärmste, Schwächste und Wehrloseste.“

           

Unter Sühne verstehen wir einen Akt, eine Tat der Liebe zur Wiedergutmachung. Wir kennen das auch auf der menschlichen Beziehungsebene. Wo einer den anderen in der Liebe verletzt hat, will er zumindest ein Zeichen der Wiedergutmachung setzen, zB dem anderen eine Freude bereiten, eine Aufmerksamkeit schenken usw. Gott gegenüber gilt: Die eigentliche Sühne für alle unsere Sünden hat Christus am Kreuz durch sein Blut vollzogen. Doch gibt uns Christus die Möglichkeit, durch Akte der Liebe das Erbarmen, das aus dem Kreuz Christi kommt, den Menschen zuzuwenden. Im Geist der Stellvertretung können wir für die Sünden der Menschen Gott gegenüber durch Akte der Liebe Wiedergutmachung leisten. Dieser Sühnegedanke ist übrigens in der kirchlichen Herz-Jesu-Verehrung tief verankert. Sühne kann man natürlich nicht mathematisch aufrechnen, es handelt sich um Vorgänge der Liebe. Gott beantwortet jeden Akt der Gottesliebe mit seiner Gnade.

          

Der heilige Thomas von Aquin sagt in einem Hymnus (Sacris solemnis): „O Herr, besuche uns in dem Maß, wie wir Dich in diesem Sakrament verehren.“ Alles, was wir an diesem Sonntag hier tun, soll für den Herrn ein Akt der Liebe und der Sühne sein: Dieser festliche Gottesdienst, die Kirchenmusik, unser Mitfeiern, eine Zeit der Anbetung, die Vesper... Der Herr wird jeden Akt der Liebe und des Glaubens, den wir Ihm schenken, zum Segen für seine Kirche machen.

           

Der heilige Johannes Paul II. hinterließ uns als geistliches Testament folgende Worte aus seiner letzten Enzyklika: „Es besteht keine Gefahr, in der Sorge um dieses Geheimnis zu übertreiben, weil in diesem Sakrament das ganze Mysterium unseres Heiles zusammengefasst ist." (Hl. Thomas von Aquin, Summa Theologiae, III, q. 83, a. 4c; Johannes Paul II. Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, 61).

           

Maria, du Eucharistische Frau, nimm heute die Liebe unserer Herzen entgegen, und bringe sie als einen Akt der Sühne zu Deinem Göttlichen Sohn im Allerheiligsten Sakrament, zum Segen für uns und für die ganze Kirche. Amen.

           

(*) Alle drei angeführten Zitate: Catechismus Romanus, I-2-55

           

 

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