Schutzengelsonntag 2016

„ER BEFIEHLT SEINEN ENGELN“ (Ps 91,11) - DIE ENGEL IM DIENSTE GOTTES

100 JAHRE ERSCHEINUNG DES ENGELS IN FATIMA

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Die Kirche lädt uns ein, im Monat September, dem Schutzengelmonat, den heiligen Engeln mehr als sonst unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Heute begehen wir den Schutzengelsonntag. Ein rundes Jubiläum gibt uns für diesen Tag einen Impuls. Vor 100 Jahren, im Jahr 1916, hatten die Seherkinder von Fatima - Jacinta, Franceso und Lucia, drei Mal eine Engelerscheinung. Die Erscheinungen und Botschaften der Muttergottes in Fatima aus dem Jahr 1917 und die vorausgehenden Engelerscheinungen gehören zu den von der Kirche anerkannten Erscheinungen, dh wir dürfen davon für unser geistliches Leben profitieren. Hören wir zuerst aus den geschichtlichen Berichten über die Vorgänge im Jahr 1916. Aus der Schrift: „Fatima, Erscheinungen und Botschaft Unserer Lieben Frau“ (P.M.M. van Es SVD, 20. Auflage 1994)

           

Ein Engel bereitet die Kinder auf die Erscheinung der Muttergottes vor

           

Eines Tages im Frühjahr 1916 weilten die Kinder mit ihren Schafen auf dem Berge Cabeco. Es begann ein feiner Frühregen zu fallen und so suchten sie in den nahen Felsen eine Zuflucht, aßen ihr Brot, beteten den Rosenkranz und verbrachten die übrige Zeit mit kindlichen Spielen. Plötzlich fuhr ein heftiger Wind durch die Bäume. Sie schauten auf und sahen einen Jüngling von 14 bis 15 Jahren, erstrahlend in überirdischer Schönheit. Er näherte sich ihnen und sprach: „Fürchtet euch nicht! Ich bin der Engel des Friedens. Betet mit mir!“

           

Er kniete nieder und beugte das Haupt bis auf die Erde. Die Kinder sanken ebenfalls auf die Knie. Da betete der Engel: „O mein Gott! Ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für alle jene, die nicht an Dich glauben, Dich nicht anbeten, nicht auf Dich hoffen und Dich nicht lieben." Nachdem er diese Gebet dreimal wiederholt hatte, stand er auf und sagte: „Betet so! Die heiligsten Herzen Jesu‘ und Mariä werden gerührt sein durch die Stimme eures Gebetes.“ Den Kindern ging das Gebet des Engels nicht mehr aus dem Sinn. Oft knieten sie nun auf den Boden nieder und wiederholten das Gebet so lange, bis sie vor Erschöpfung nicht mehr konnten.

           

Der Engel erscheint ein zweites Mal

           

Es war einige Monate später. Die Kinder verbrachten die heißen Mittagsstunden im Schatten der Bäume, die den Brunnen im Garten hinter Lucias Elternhaus umgaben. Auf einmal sahen sie erneut denselben Engel bei sich stehen. Er sprach zu ihnen: „Was tut ihr? – Betet viel! Die heiligsten Herzen Jesu‘ und Mariä haben mit euch Pläne großen Erbarmens. Bringt Gott dem Herrn ständig Gebete und Opfer dar!“ „Wie können wir Opfer bringen?“ fragte Lucia. „Aus Allem, und wie immer ihr es könnt, sucht ein Opfer der Sühne zu machen für die Sünden, durch die ER beleidigt wird, und ein Opfer der Bitte für die Bekehrung der Sünder. Ziehet so den Frieden auf euer Vaterland herab. Ich bin sein Schutzengel, der Engel von Portugal. Vor allem nehmt an und tragt geduldig die Leiden, die der Herr euch schicken wird.“ Später sagte Lucia: „Von diesem Augenblick an begannen wir, dem Herrn alles aufzuopfern, was er uns leiden ließ. Wir suchten aber damals keine anderen Abtötungen und Bußübungen, als dass wir ganze Stunden damit verbrachten, zur Erde niedergeworfen [dh mit der Stirn bis zum Boden], das Gebet zu wiederholen, das der Engel uns gelehrt hatte.“

           

Der Engel erscheint ein drittes Mal

           

Inzwischen war es Herbst geworden, Oktober – oder noch Ende September. Die Kinder waren wieder in der Grotte des Cabeco. Sie beteten den Rosenkranz wie auch das Gebet des Engels. Plötzlich umstrahlte sie ein Licht, und der Engel erschien ihnen zum dritten Mal. Er hielt in der Hand einen Kelch und über dem Kelch eine Hostie, aus der Blutstropfen in den Kelch fielen. Dann ließ er den Kelch und die Hostie frei in der Luft schweben, kniete neben den Kindern nieder und betete dreimal: „Allerheiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an und opfere Dir auf den kostbaren Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus, der in allen Tabernakeln der Welt gegenwärtig ist, zur Sühne für die Schmähungen, Entweihungen und die Gleichgültigkeit, durch die ER selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste seines Heiligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder." Danach erhob sich der Engel und ergriff wieder den Kelch und die Hostie. Die Hostie reichte er Lucia, den Kelch aber gab er Jacinta und Francisco zu trinken. Dabei sprach er die Worte: „Empfanget den Leib und das Blut Jesu Christi, der so schrecklich beleidigt wird durch die undankbaren Menschen. Sühnet ihre Sünden und tröstet euren Gott.“ Aufs Neue warf er sich zur Erde nieder und wiederholte dreimal das Gebet zur Heiligsten Dreifaltigkeit. Dann verschwand er, während die Kinder auf den Knien blieben, ihr Haupt zur Erde beugten und immer wieder das Gebet des Engels beteten, bis es dunkel wurde.

           

So weit aus den Berichten über die Ereignisse im Jahr 1916. Was können uns diese übernatürlichen Ereignisse heute sagen? Das Wort Gottes spricht heute vom Dienst der Engel im Auftrag Gottes. Im Antwortpsalm hat es geheißen: "Er befiehlt seinen Engeln."

           

1) Wir erleben eine Art esoterischen Engelboom: "Engelein" in allen Formen und Größen, manchmal auch mit spirituellen Texten, doch ohne christlichen Inhalt... Dieser esoterische Engelkult hat nichts zu tun mit der biblisch/katholischen Engellehre. Die drei Kinder von Fatima erleben den Engel als Person von übernatürlicher Schönheit, seine Worte sind einfach und haben einen konkreten Inhalt, der mit dem katholischen Glauben übereinstimmt. Fatima zeigt uns wie das ist, wenn Gott seinen Engel befiehlt sich zu zeigen und uns etwas mitzuteilen.

           

2) Der Engel in Fatima stellt sich beim ersten Mal den Kindern vor als "Engel des Friedens". Die Engel leben im Frieden Gottes. Gott sendet uns die Engel als Helfer des Friedens. Damals war die Not und der Unfriede des ersten Weltkrieges. Die Engel helfen auch uns, Menschen des Friedens zu sein. Es gibt oft Unfriede im Kleinen, auch in unseren Dörfern. Denken wir daran, dass die Engel, auch unsere Schutzengel, Engel des Friedens und Helfer des Friedens sind. Bitten wir sie Hilfe, wenn es Streit oder Unfriede gibt.

           

3) Der Engel in Fatima nennt sich bei seinem zweiten Kommen "Engel Portugals". Nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift (zB im Daniel) glaubt die Kirche, dass nicht nur jeder Mensch, sondern auch jedes Land einen Schutzengel hat.

           

4) Der Engel hat in Fatima mit den Kindern gebetet, sie auch zwei Gebete gelernt. Die beiden Sühnegebete sind in das Gebetsleben der Kirche eingegangen. Wenn wir uns schwer tun zu beten können wir daran denken, dass auch die heiligen Engel mit uns beten, uns helfen, unser Gebet ergänzen. Wir können auch unseren Schutzengel bitten: "Hilf mir jetzt beten!" Im Gotteshaus erinnern uns die Engelbilder: Wir beten beim Hl. Messopfer in Gegenwart und in Vereinigung mit den heiligen Engeln.

           

5) Der Himmel ist in Fatima an unmündige Kinder herangetreten mit der Bitte um Gebet und Buße. Der Himmel hat seine eigene Pädagogik. Mit Gebet und Buße können wir das Erbarmen Gottes auf uns und auf die Welt herabrufen. Wir brauchen nicht Bußwerke erfinden und suchen. Der Engel in Fatima lehrt uns, all das im Geist der Buße aufzuopfern, was Gott an Mühen und Nöten oder Leiden in unserem Leben zulässt.

           

6) Der Engel von Fatima lehrt uns tiefe Ehrfrucht vor der Heiligen Kommunion. Der Kelch mit dem Kostbaren Blut und die Heilige Kommunion schweben in der Luft, der Engel mit den Kindern wirft sich mit der Stirn bis auf den Boden und betet an. Es kann uns nicht nur zu denken geben, sondern zutiefst berühren, wie die Heilige Kommunion vom Engel und von den Kindern angebetet und dann von den Kindern empfangen wird. Das allein kann genügen um uns bewusst zu machen, in welcher inneren und äußeren Haltung wir kommunizieren sollen. Nur nebenbei: Ein Engel kann natürlich nicht die Hl. Messe feiern, das kann nur der Priester. Es kann nur so gewesen sein, dass der Engel den Leib und Blut Christi aus einem Gotteshaus geholt und dann den Kindern gespendet hat.

           

Es freut mich wenn diese Gedanken uns helfen, im September bewusster mit den heiligen Engeln zu leben. Allen einen schönen und gesegneten Schutzengelmonat! Amen.

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