Hochfest der Sendung des Heiligen Geistes - Pfingsten 2016

„HEILE DU, WO KRANKHEIT QUÄLT“ (Pfingstsequenz)

DER HEILIGE GEIST, DER GÖTTLICHE ARZT

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Es ist für uns Menschen seit dem Sündenfall schwierig, mit der übernatürlichen geistigen Welt des Himmels zu leben. Es ist auch schwierig, uns den Heiligen Geist vorzustellen, die Dritte Göttliche Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Der Heilige Geist ist die Liebe des Vaters und des Sohnes, wie der hl. Bernhard sagt. Doch es ist einfach, den Heiligen Geist an seinen Wirkweisen zu erkennen. Schon sein Eigenname verweist auf sein Wirken: Heiliger Geist. Er ist derjenige, der uns die Heiligkeit Gottes zugänglich macht, der unseren Seelen das göttliche Leben der Gnade hervorbringt, die Gemeinschaft mit Gott. Von seinem Eigennamen her - Heiliger Geist - ist der Heilige Geist der Heiligmacher, der uns Gottes heilendes und erlösendes Wirken schenkt. In der Pfingstsequenz, die wir gebetet haben, ist dieses Wirken des Heiligen Geistes wunderbar beschrieben. Da hat es geheißen: "Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund. Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält." Ausgehend von diesem tiefen Gebet der Pfingstsequenz können wir sagen: Der Heilige Geist ist der Göttliche Arzt, der uns heil und gesund macht. Das gilt nicht nur für die körperlichen und seelischen Erkrankungen. Das gilt auch für alle Belastungen und Nöte des Lebens, wo wir Kraft und Hilfe brauchen. Es gibt zwei "Krankenhäuser", in denen der Heilige Geist persönlich seine Patienten behandelt und Heil schenkt.

           

Es gibt die Krankenhäuser für den erkrankten Körper. Vergessen wir nicht, dass Krankenhäuser und Krankenpflege Einrichtungen sind, die im Schoß der Kirche gewachsen sind, im gläubigen Mittelalter. Die katholischen Krankenhäuser und die Krankenhauskirchen wurden dem Heiligen Geist geweiht. Eines der ältesten Krankenhäuser in Rom, ganz in der Nähe von St. Peter, reicht ins 8. Jahrhundert zurück "Santo Spiritu in Sassio". Die Spitalskirche in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße heißt so, weil sich dort früher das Krankenhaus befand. Diese Spitalskirche ist heute noch eine Heilig Geist Kirche.

           

In der Tradition der Kirche wurde das Wirken der Ärzte in Verbindung mit dem Heiligen Geist gesehen. Katholische Ärzte haben sich nicht als Herren über Leben und Tod verstanden, sondern als Helfer in der Not der Krankheit. Sie haben gewusst, dass der eigentliche Arzt Gott selber ist. Die Moderne Medizin kann heute Großes leisten. Doch sie ist in Gefahr, den Bezug zu Gott zu verlieren. Das ist dort bereits geschehen, wo der Mensch nicht mehr als Ebenbild Gottes gesehen wird, als Leib-seelische Einheit mit der Berufung zum ewigen Heil, sondern als Körper, dessen "Teile" man behandelt.

           

Der Heilige Geist will unseren kranken Menschen Heil an Leib und Seele schenken. So manche Krankheit, wenn sie gläubig angenommen wird, darf durch den Heiligen Geist dem Heil der Seele und dem Heil der Kirche dienen. Hier wollen wir auch an das Sakrament der Krankensalbung denken. Ein Sakrament, in dem der Heilige Geist Heil für Leib und Seele wirken will. Die Krankensalbung ist kein Sterbesakrament. Sie gehört auch nicht am Fließband "ausgeteilt", sondern individuell vorbereitet und gespendet. Wer die Krankensalbung empfangen will, muss im Stand der Gnade sein, mit der Kirche leben. Ansonsten soll sie durch die Heilige Beichte vorbereitet werden.

           

Dann führt der Heilige Geist eine zweite Form von "Krankenhäusern." Diese Kranken- oder Kurhäuser sind unsere katholischen Gotteshäuser. Haben wir schon einmal daran gedacht, dass der Heilige Geist hier in der Kirche der Göttliche Arzt ist, um unss Heilung für Seele und Leib zu schenken? An mehreren Orten des Gotteshauses ist das Symbol des Heiligen Geistes angebracht, meist ist es die Taube. Die Taube ist ein Symbol des Friedens. Dh wo der Heilige Geist, der Göttliche Arzt, wirkt, da wird unser Leben erneuert, da findet die Seele den inneren Frieden, den Frieden Gottes.

           

In unserer Pfarrkirche sehen wir das Symbol des Heiligen Geistes unter dem Schalldeckel der Kanzel. Das will sagen: Der Heilige Geist ist der Geist der Wahrheit, wie Christus ihn nennt (Joh 16,13). Unser menschliches Denken für sich alleine ist oft orientierungslos, verwirrt in Bezug auf Gut und Böse, für den Sinn und den Wert des Lebens usw. Müssen wir nicht sagen, dass wir in der Welt oft einem gottlosen - dh von Gott losgelösten - Denken begegnen, einem finsteren, ungläubigen und egoistischen Denken, sogar in der Kirche, dh bei Gliedern der Kirche? Wir haben gebetet: "Komm herab, o Heil´ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Komm, der jedes Herz erhellt." Der Heilige Geist ist im Gotteshaus der Göttliche Arzt, der unser Denken heilt. Er heilt konkret durch das Wort Gottes und die Lehre der Kirche. Wo das Wort Gottes und die Lehre der Kirche gehört wird, beherzigt wird, geschieht Erleuchtung. Der Zugang dazu ist ein demütiges Herz: "Heiliger Geist, erleuchte mich, ohne dich gehe ich in die Irre." Der hl. Franziskus hatte diese demütige Haltung und konnte flehen: "Höchster glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens." Rufen auch wir gerne den Heiligen Geist an, dass er uns erleuchte.

           

Das Symbol des Heiligen Geistes wäre an einem weiteren Ort des Gotteshauses sehr passend: Beim Beichtstuhl. Zur Lossprechung betet der Priester: "Gott, der Barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst seiner Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden." Beim Bußsakrament ist der Heilige Geist wiederum der Göttliche Arzt. Er heilt von der Krankheit der Sünde. Die Frucht der Heilung, die er im Bußsakrament hervorbringt, ist vielfältig: Vergebung von Schuld, Wiedererlangung des Gnadenstandes, Vermehrung der Gnade, Stärkung in der Tugend usw. Das Bußsakrament ist nach der hl. Taufe das Sakrament der Heilung.

           

Wir sehen das Symbol des Heiligen Geistes im Deckenfresko über dem Presbyterium, also über dem Altar. Vor der Heiligen Wandlung betet der Priester: "Sende deinen Geist auf diese Gaben herab." Da geschieht noch nichts. Das ist eine Bitte. Dann erst wird die Heilige Wandlung vollzogen: Das Kreuzesopfer wird gegenwärtig, Brot und Wein werden zu Fleisch und Blut Christi. Für dieses Wunder braucht es den gültig geweihten Priester und den Heiligen Geist. Die überlieferte Liturgie hat vor der Hl. Wandlung ein schönes Gebet: "Veni, sanctificator - komm, Heiligmacher!" Wir können den Heiligmacher nicht sehen. Wir können auch Christus nicht sehen. Sein Opfer nicht sehen. Sein Fleisch und Blut nicht sehen. Die Liturgie versetzt uns durch heilige Zeichen und Symbole in die Gegenwart des Heiligen Gottes. Das Heilige ist der Wirkbereich des Heiligen Geistes. Je tiefer das Sakrale/das Heilige ist, desto tiefer können wir uns der Gegenwart innewerden. Zum Heiligen Messopfer kommen bedeutet auch: Eintreten in das Heilige, um den Heiligmacher, den Göttlichen Arzt, an sich wirken lassen. Diese Vorgänge kann man nicht erklären und braucht man auch nicht verstehen. Ein Ehepaar, das sich Liebe und Zuneigung ausdrückt, den ehelichen Akt vollzieht, gibt dazu einander wohl keine theoretischen Erklärungen... Liebe wird einfach geschenkt und empfangen, sie ist ein Geheimnis. So ähnlich brauchen auch wir das Geheimnis des Hl. Messopfers nicht verstehen; die vernunftgemäße Auseinandersetzung geschieht durch Katechese und persönliche Vertiefung. Wichtig ist, dass wir einfach kommen und uns dem Wirken des Göttlichen Arztes aussetzen. Der Zugang geschieht durch Demut und Glaube.

           

"Heile du, wo Krankheit quält." Christus hat uns für die seelischen und körperlichen Krankheiten, Wunden, Belastungen und Nöte den Heiligen Geist geschenkt, den Göttlichen Arzt. Wir können an seinem Wirken vorbeileben oder kommen und uns beschenken lassen.

           

Maria, Braut des Heiligen Geistes, führe uns zum Göttlichen Arzt. Amen.

 

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