4. Sonntag der Osterzeit 2016 - Reihe Ehe im Plan Gottes 20)

„ICH BIN DER GUTE HIRT“ (Joh 10,14) - WIEDERHERHEIRATET GESCHIEDEN

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Christus sagt heute: "Ich bin der Gute Hirt." Mit dem Bild vom Guten Hirten drückt der Herr seine Hingabe aus, darin eingeschlossen seine Opferhingabe am Kreuz für uns, seine Sorge um unserer Seelenheil, seine Güte, die uns Menschen nachgeht. Der Gute Hirt weiß auch um die vielen Nöte und Probleme, die mit dem Eheleben verbunden sind.

           

Wenn ein Amtsträger der Kirche - einer, der ja nicht in der Ehe lebt - über die Ehe spricht, dann nicht in Besserwissen und Selbstgerechtigkeit. Wir haben die Pflicht, uns mit der christlich-katholischen Ehelehre zu befassen. Am Gebot Gottes festzuhalten hat nichts zu tun mit dem Buchstabengehorsam der Pharisäer. Die 10 Gebote Gottes sind für uns Menschen auch eine Bindung an den Gott der Offenbarung und Liebe. Durch die Gebote, für die Christus uns am Kreuz die Gnade verdient hat, hat Gott uns einen geschützten Lebensraum geschenkt, in dem wir uns entfalten können.

           

Im Bereich der Ehe hat niemand das Recht, das Gebot Gottes aufzulösen oder zu relativieren, auch nicht die Hirten der Kirche. "Du sollst nicht ehebrechen" ist ein göttliches Gesetz. Christus hat die Unauflöslichkeit der Ehe bekräftigt. Er sagt: "Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet. (Mk 10,11-12). Die Kirche hat immer gewusst, dass sie an diese Worte gebunden ist, weil sie von Gott kommen.

           

Etwas Anderes ist die Frage: Wie können diejenigen zurechtkommen, die den Anspruch des Gebotes durch eine Scheidung oder Wiederheirat nicht erfüllen? Papst Johannes Paul II. vermittelt für WIEDERVERHEIRATET GESCHIEDENE die allgemeine katholische Glaubenslehre, die niemand ändern kann. (Familiaris Consortio, Abschnitt 84):

           

Die tägliche Erfahrung zeigt leider, daß derjenige, der sich scheiden läßt, meist an eine neue Verbindung denkt, natürlich ohne katholische Trauung. Da es sich auch hier um eine weitverbreitete Fehlentwicklung handelt, die mehr und mehr auch katholische Bereiche erfaßt, muß dieses Problem unverzüglich aufgegriffen werden. Die Väter der Synode haben es ausdrücklich behandelt. Die Kirche, die dazu gesandt ist, um alle Menschen und insbesondere die Getauften zum Heil zu führen, kann diejenigen nicht sich selbst überlassen, die eine neue Verbindung gesucht haben, obwohl sie durch das sakramentale Eheband schon mit einem Partner verbunden sind. Darum wird sie unablässig bemüht sein, solchen Menschen ihre Heilsmittel anzubieten.

           

Die Hirten mögen beherzigen, daß sie um der Liebe willen zur Wahrheit verpflichtet sind, die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden. Es ist ein Unterschied, ob jemand trotz aufrichtigen Bemühens, die frühere Ehe zu retten, völlig zu Unrecht verlassen wurde oder ob jemand eine kirchlich gültige Ehe durch eigene schwere Schuld zerstört hat. Wieder andere sind eine neue Verbindung eingegangen im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und haben manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung, daß die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war.

           

Zusammen mit der Synode möchte ich die Hirten und die ganze Gemeinschaft der Gläubigen herzlich ermahnen, den Geschiedenen in fürsorgender Liebe beizustehen, damit sie sich nicht als von der Kirche getrennt betrachten, da sie als Getaufte an ihrem Leben teilnehmen können, ja dazu verpflichtet sind. Sie sollen ermahnt werden, das Wort Gottes zu hören, am heiligen Meßopfer teilzunehmen, regelmäßig zu beten, die Gemeinde in ihren Werken der Nächstenliebe und Initiativen zur Förderung der Gerechtigkeit zu unterstützen, die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen und den Geist und die Werke der Buße zu pflegen, um so von Tag zu Tag die Gnade Gottes auf sich herabzurufen. Die Kirche soll für sie beten, ihnen Mut machen, sich ihnen als barmherzige Mutter erweisen und sie so im Glauben und in der Hoffnung stärken.

Die Kirche bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen. Sie können nicht zugelassen werden; denn ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht. Darüber hinaus gibt es noch einen besonderen Grund pastoraler Natur: Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung.

           

Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, daß, wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen - zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder - der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, "sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind" (Johannes Paul II., Homilie zum Abschluß der VI. Bischofssynode (25.10.1980), 7: AAS 72 (1980) 1082).

           

Die erforderliche Achtung vor dem Sakrament der Ehe, vor den Eheleuten selbst und deren Angehörigen wie auch gegenüber der Gemeinschaft der Gläubigen verbietet es jedem Geistlichen, aus welchem Grund oder Vorwand auch immer, sei er auch pastoraler Natur, für Geschiedene, die sich wiederverheiraten, irgendwelche liturgischen Handlungen vorzunehmen. Sie würden ja den Eindruck einer neuen sakramental gültigen Eheschließung erwecken und daher zu Irrtümern hinsichtlich der Unauflöslichkeit der gültig geschlossenen Ehe führen.

           

Durch diese Haltung bekennt die Kirche ihre eigene Treue zu Christus und seiner Wahrheit; zugleich wendet sie sich mit mütterlichem Herzen diesen ihren Söhnen und Töchtern zu, vor allem denen, die ohne ihre Schuld von ihrem rechtmäßigen Gatten verlassen wurden.

           

Die Kirche vertraut fest darauf; daß auch diejenigen, die sich vom Gebot des Herrn entfernt haben und noch in einer solchen Situation leben, von Gott die Gnade der Umkehr und des Heils erhalten können, wenn sie ausdauernd geblieben sind in Gebet, Buße und Liebe.

           

Wer diese Lehre verstehen will, der versteht sie. Abschließend möchte ich denjenigen Ehepaaren, die in dieser Situation leben (wiederverheiratet geschieden) Mut machen:

           

Christus sagt: "Ich kenne die Meinen!" Kennen meint vor allem Liebe. Der Gute Hirt kennt uns alle. Es gibt Katholiken, die gültig verheiratet sind, die Kinder taufen lassen, doch all das nicht ernst nehmen. Es gibt Katholiken, die nach einer Scheidung zwar nicht in einer sakramentalen Ehe leben, dafür aber eifrig sind im Gebet, in der Mitfeier des Gottesdienstes, in der Glaubenserziehung der Kinder usw. Christus weiß um das. Er wird alles einbeziehen. Ich persönlich habe immer sehr gerne Kontakt zu solchen Ehepaaren gepflegt, sie zur pfarrlichen Mitarbeit eingeladen, und halte es immer noch so. Nicht selten habe ich in solchen Familien mehr Interesse und Wertschätzung erfahren, als bei Ehepaaren, wo alles "in Ordnung ist"; mehr Eifer und Interesse als bei so manchen lauen Katholiken. Gott ist immer größer als unser Versagen und unsere Schwierigkeiten. "Wenn das Herz uns auch verurteilt, Gott ist größer als unser Herz und er weiß alles", sagt der Apostel Johannes (1 Joh 3,20).

           

Wir kennen das Bild vom Guten Hirten, der ein Schaf auf seiner Schulter trägt. Der Gute Hirt trägt uns alle. Er trägt die gesunden und die kranken Schafe. Er trägt die Tugendhaften und die Schwachen, die Lauen und die Eifrigen. Er trägt auch jene, die sich nach einer Scheidung staatlich wieder verheiratet haben und hilft ihnen, im Leben weiter zu gehen. Wer ohne Gott und ohne die Kirche lebt, wird unter ehelichen Schwierigkeiten mehr zu leiden haben. Wer mit Gott und seiner Kirche lebt, erfährt von Christus die Wahrheit über die Ehe. Christus sagt: "Die Wahrheit wird euch frei machen" (Joh 8,21). Er wird von Christus als Guter Hirt erkannt und getragen. Wer das in Demut und Reue annimmt, erfährt darin in und durch die Kirche das Erbarmen Gottes. Amen.

 

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