2. Sonntag nach Weihnachten - B) 2014

Predigtreihe Die Ehe im Plan Gottes 8) Die Unauflöslichkeit der Ehe

 

Heute ist der 2. Sonntag nach Weihnachten. Die Kirche stellt uns nochmals das Weihnachtsevangelium des Apostels Johannes vor Augen. Es spricht von Christus, dem Ewigen Wort des Vaters, von Seiner Hoheit als Ewiger Sohn Gottes. Johannes nennt Christus auch das Licht, das in der Welt leuchtet, das "wahre Licht", wie Johannes betont. Johannes der Täufer legte Zeugnis ab für dieses Licht. Christus ist auch das wahre Licht über die Berufung zur Ehe. Die Kirche muss auch heute Zeugnis ablegen für das wahre Licht über die Ehe. Wir wollen uns heute mit dem hohen Gut der Unauflöslichkeit der Ehe befassen.

 

Die römisch-katholische Kirche ist die letzte Institution in der Welt, die an der Unauflöslichkeit der Ehe festhält. Alle christlichen Konfessionen, die aus der Reformation stammen, haben die Ehe als Sakrament und auch die Unauflöslichkeit der Ehe aufgegeben. Das gilt zB für die Anglikaner und alle evangelischen Bekenntnisse. Die Orthodoxen Kirchen haben nach der Trennung von Rom einen Weg eingeschlagen, der die Unauflöslichkeit der Ehe relativiert hat; sie kennen für getrennte Ehepartner nach einer "Zeit der Buße" eine neue Form der Eheschließung, wenn auch dieser neuen Verbindung nicht der gleiche Stellenwert wie der ersten sakramentalen Ehe gegeben wird.

 

Wegen dem Festhalten an der Unauflöslichkeit der Ehe wird die Römisch-katholische Kirche oft angegriffen. Das ist eigentlich paradox. Die Kirche hält eines der höchsten Güter der Menschen, Ehe und Familie, hoch und heilig. Das ist ein Dienst an der Gesellschaft, ein Dienst an der Menschheit. Und gerade dafür wird die Römische Kirche angegriffen. Für uns ist wichtig, die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe zu verstehen. Wir sollen auch die Gründe für die Unauflöslichkeit der Ehe kennen.

 

Der Katechismus fasst die Worte Christi über die Ehe zusammen und sagt:

 

1614 In seiner Predigttätigkeit lehrte Jesus unmißverständlich den ursprünglichen Sinn der Vereinigung von Mann und Frau, wie sie der Schöpfer zu Beginn gewollt hatte: Die von Mose gegebene Erlaubnis, seine Frau zu verstoßen, sei ein Entgegenkommen gegenüber der Herzenshärte gewesen [Vgl. Mt 19,8]; die eheliche Vereinigung von Mann und Frau sei unauflöslich - Gott selbst habe sie geschlossen: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen" (Mt 19,6).

 

Hier wird zunächst auf die Praxis Israels im Alten Bund eingegangen. Nach dem Gesetz des Mose konnte bei einem Ehebruch der Mann seine Frau aus der Ehe entlassen, wie man das genannt hat. Es war in der Realität etwas Tragisches: die Steinigung oder Verstoßung der Frau.

 

Jesus Christus hat die alttestamentliche Praxis korrigiert und neu orientiert. So ähnlich wie in der Bergpredigt, wo er mit seiner Vollmacht als Sohn Gottes gesagt hat: "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist... Ich aber sage euch." (zB Mt 5,21) Christus hat die Ehe wieder zum ursprünglichen Schöpfungsplan Gottes zurückgeführt, an den Anfang. Im Matthäusevangelium sagt der Herr in der Auseinandersetzung mit den Pharisäern: "Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so. Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch" (Mt 19,8-9). Christus hat unmissverständlich gelehrt, dass vom Schöpfungsplan Gottes her die Ehe unauflöslich ist: "Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen" (Mt 19,6).

 

Die Vorgabe Christi wurde im katholischen Kirchenrecht als Ehelehre so formuliert: "Die gültige und vollzogene Ehe zwischen Getauften kann durch keine menschliche Gewalt und aus keinem Grunde, außer durch den Tod, aufgelöst werden" (CIC, Can. 1142). Bei jeder kirchlichen Trauung ist diese Lehre bei der Eheschließung von allen zu hören: "Ich nehme dich an... bis der Tod uns scheidet".

 

Warum ist die sakramentale Ehe unauflöslich? Von Gott her gesehen ist die Ehe unauflöslich durch ein eigenes Gebot Gottes, durch den Willen Gottes: "Du sollst nicht Ehebrechen!" (Dtn 5,18) Die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe hängt mit dem Neuen Bund zusammen. Das Ehesakrament ist eine Frucht des Neuen Bundes. Der Neue Bund ist unauflöslich. Die sakramentale Ehe ist ein Zeichen für den neuen Bund, sie hat an der Unauflöslichkeit des Neuen Bundes Anteil. Wenn die Ehe auflösbar wäre, könnte sie kein Zeichen für den Neuen Bund sein. Der Katechismus formuliert es so: "Die christliche Ehe wird wirksames Zeichen, Sakrament des Bundes zwischen Christus und der Kirche. Weil sie dessen Gnade bezeichnet und mitteilt, ist die Ehe zwischen Getauften ein wahres Sakrament des Neuen Bundes" (KKK 1617).

 

Von uns Menschen aus gesehen: Die Unauflöslichkeit der Ehe ist nicht vom Schöpfergott von "außen" aufgepfropft, so als ob dies für uns ein Zwang wäre. Die Unauflöslichkeit der Ehe entspricht unserem menschlichen Herzen, unsere Menschennatur ist auf dieses Gut hin angelegt. In diesem Sinn können wir mehrere menschliche Beweggründe für die Unauflöslichkeit der Ehe erkennen.

 

a) Die Unauflöslichkeit der Ehe entspricht dem Wesen der Liebe. Die eheliche Liebe zielt auf das Bleibende, auf das Immer, sogar auf die Ewigkeit. Verliebte Brautleute, und Verliebte, die zu Liebenden geworden sind, sagen gerne zueinander: "Ich möchte immer mit dir zusammen sein! Eine Ewigkeit lang! Nicht doch ein wenig lang...? In der Liebe nicht. Paulus sagt im Hohelied: "Die Liebe hört niemals auf" (1 Kor 13,8). Diese Ausrichtung der ehelichen Liebe auf das Bleibende berührt die Würde des Menschen als Ebenbild Gottes.

 

b) Die Unauflöslichkeit der Ehe ist ein Schutz für Mann und Frau. Sie ist ein Schutz für die Liebe, vor allem, wenn es schwer miteinander ist. Dass man nicht zu leicht auseinander geht. Eine Trennung ist immer etwas Schmerzliches. Diese Leiden will Gott den Eheleuten ersparen.

c) Die Unauflöslichkeit der Ehe ist ein Schutz für die Kinder. Denn die Kinder brauchen Eltern mit einer dauerhaften Verbindung.

 

Die Lehre Christi, unseres Herrn und Gottes, über die Unauflöslichkeit der Ehe ist so klar, dass die Kirche ihre Ehelehre nie von den Worten Christi, von diesem hohen Anspruch getrennt hat, sie hat sich immer an das Gotteswort gebunden gewusst. Ein Beispiel:

 

Im Jahr 1535 hat Papst Clemens III. eher die Trennung der Kirche in England von der Römischen Kirche in Kauf genommen, als die Ehe von König Heinrich dem VII. zu annullieren. Um der Unauflöslichkeit der Ehe treu zu bleiben, hat der Papst damals also die Abspaltung der Anglikanischen Kirche in Kauf genommen.

 

Es ist uns bewusst, dass die Unauflöslichkeit der Ehe ein hoher Anspruch ist. Wir wären auch nicht die ersten, die darüber erschrecken. Diesen hohen Anspruch aufzugeben wäre kein Dienst am Menschen. Wer meint, dass der Mensch keine Entscheidungen treffen könne, die ihn verpflichten, nimmt den Menschen mit seinen Geisteskräften als Ebenbild Gottes nicht ernst. Es gehört zur Würde des Menschen, Entscheidungen treffen zu können, die ihn bis zum Tod binden.

 

Etwas ganz anderes ist, was jene tun können, deren eheliche Gemeinschaft auseinander gegangen ist, aus welchen Gründen auch immer. Welche Hilfestellungen geben der Herr und die Kirche für diese Situationen? Das verdient eigens behandelt zu werden.

 

KKK 1615: Dieses nachdrückliche Bestehen auf der Unauflöslichkeit des Ehebandes hat Ratlosigkeit hervorgerufen und ist als eine unerfüllbare Forderung erschienen. Jesus hat jedoch den Gatten keine untragbare Last aufgebürdet [Vgl. Mt 11,29-30], die noch drückender wäre als das Gesetz des Mose. [...].

 

Hier wirft der Katechismus die Frage auf: Ist die Unauflöslichkeit der Ehe eine Last für uns? Die Unauflöslichkeit kann bei Schwierigkeiten oder bei Trennung ein Kreuz sein. Im Kreuz ist Heil. Das Kreuz ist immer mit Gnade verbunden. Das Kreuz Christi gibt uns das Vertrauen, dass Gott denen, die ihn lieben, alles zum Guten zu führen vermag (vgl. Röm 8,28). Amen.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.