3. Adventsonntag B) 2014

Predigtreihe Die Ehe im Plan Gottes 5) Die Ehe im Herrn - eine Gabe des Neuen Bundes

 

Der Advent ist die Zeit der Erwartung. In besonderer Erwartung war in der Heilgeschichte die Gottesmutter Maria nach der jungfräulichen Empfängnis Christi. In Erwartung war der heilige Joseph. Als er bemerkte, dass Maria in der Hoffnung war, wollte er sich von Maria trennen. Das war für beide, für Maria und Joseph, eine schwierige Zeit. Maria konnte über die Verkündigung nicht reden. Wie hätte sie ihm das sagen sollen? Und Joseph konnte sich einen Ehebruch bei Maria nicht vorstellen. Beide waren verlobt. Die damalige Verlobung in Israel ist unserer Ehe gleichzusetzen. Schließlich hat Gott selber eingegriffen und den hl. Joseph in den Erlösungsplan eingeweiht. Auf das hin hat Joseph Maria als seine Braut zu sich genommen. Das war nicht die Eheschließung, die, wie gesagt, mit der Verlobung geschehen ist, sondern die Heimholung der Braut. Erst ab der Feier der Heimholung haben Braut und Bräutigam zusammen gelebt. So waren nun beide in einer gesetzmäßigen Ehe vereint. Unter dem Schutz der gesetzlichen Ehe konnte Maria jungfräulich gebären und jungfräulich bleiben.

 

Greifen wir heute wieder die christliche Ehelehre auf. Das passt gut in diese Zeit des Kirchenjahres. Erinnern wir uns kurz. Wir haben die Ehe in der Schöpfungsordnung betrachtet, die göttlichen Elemente der Ehe, die Ehe unter der Herrschaft der Sünde und die Ehe in der Schule des Gesetzes. Der Katechismus, der uns die christlich-katholische Ehelehre erschließt, behandelt als nächstes die Ehe im Herrn, wie es formuliert ist.

 

Wir lesen im KKK:

1612 Der Ehebund zwischen Gott und seinem Volk Israel hatte den neuen, ewigen Bund vorbereitet. In diesem Bund hat sich der Sohn Gottes in seiner Menschwerdung und der Hingabe seines Lebens gewissermaßen mit der ganzen durch ihn geretteten Menschheit verbunden [Vgl. GS 22] und dadurch „die Hochzeit des Lammes" (Offb 19,7.9) vorbereitet.

 

Hier werden wir zuerst an den Bund Gottes mit seinem Volk erinnert. Gott hat das Volk Israel erwählt und mit diesem Volk einen Bund geschlossen, um die Menschwerdung seines Sohnes vorzubereiten. Die Propheten vergleichen die Beziehung zwischen Gott und Israel mit dem Ehebund. Mit dem gleichen Bild wird der Glaubensabfall von Jahwe in Israel mit dem Ehebruch verglichen. Der Ehebund ist - so sollte es sein - ein Liebesbund. Gott ist mit seinem Volk in ein Liebesverhältnis eingetreten. Sprechen wir bitte nicht vom strafenden Gott des Alten Testamentes und vom liebenden Gott des Neuen Testamentes! Gott ist liebender Vater im Alten und im Neuen Bund. Und Gott straft im Alten und im Neuen Bund.

Gott hat beim Auszug aus Ägypten, das war ca. 1250 v. Chr. durch die Ver

mittlung von Moses am Sinai den Alten Bund geschlossen. Der Alte Bund hat den Neuen Bund vorbereitet. Christus, unser Herr und Gott, hat am Kreuz den Neuen Bund geschlossen. Wie Gott Vater im Alten Bund, ist der Sohn Gottes im Neuen Bund in ein Liebesverhältnis zur Menschheit eingetreten. Auch im Neuen Testament wird die Verbindung Gottes mit uns Menschen mit der Ehe verglichen. Christus selber bezeichnet sich als der Bräutigam. Am Kreuz hat er sich mit seinem Blut mit der Kirche, der erlösten Menschheit, vermählt (Eph 5,25). Die Kirche ist die Braut. Christus ist der Bräutigam. Das ist die Hochzeit des Lammes, wie es in der Apokalypse ausgesprochen ist (Offb 19).

 

Wir fragen uns jetzt: Was hat das mit der christlichen Ehe zu tun? Die Kirche will uns hier etwas bewusst machen, was uns das Wort Gottes im AT und NT deutlich sagt:

 

a) Der Bund Christi am Kreuz und der Ehebund sind natürlich zwei verschiedene Bünde, auf verschiedenen Ebenen. Indem Gott uns auf den menschlichen Ehebund verweist, um uns den Alten bzw. Neuen Bund zu erschließen zeigt er uns, dass in seinen Augen die Ehe etwas Großes und Heiliges ist.

 

b) Diese Tatsache der Offenbarung - die Verbindung Bund Gottes und Ehebund - hat für das christliche Verständnis der Ehe weitreichende Folgen. Das christlich-katholische Eheverständnis entfaltet sich am Verständnis des Bundes Gottes. Mit anderen Worten: der Bund Gottes, vor allem der Neue Bund, ist der Maßstab für die Wahrheit über die Ehe.

Konkret:

 

- Christus stiftet den Neuen Bund durch seine Ganzhingabe am Kreuz (vgl. zB Eph 5,2). Die christliche Ehe ist eine Ganzhingabe der Ehegatten. Braut und Bräutigam schenken sich einander ganz hin. Nichts wird von dieser Ganzhingabe von Braut und Bräutigam zurückbehalten, auch nicht die Fruchtbarkeit. Wir begreifen, dass die Ganzhingabe in der Ehe etwas Heiliges ist, sogar vorgebildet in der Dreifaltigen Liebe der drei Göttlichen Personen.

 

- Christus hat uns Menschen im Neuen Bund ganz angenommen (vgl. zB Röm 15,7). In der christlichen Ehe nehmen Mann und Frau einander an, so wie sie sind, mit Leib und Seele, mit Vorzügen und Schwächen, in guten und in bösen Tag. Wiederum wird nichts ausgeschlossen.

 

- Der Neue Bund Christi mit der erlösten Menschheit ist unauflöslich, Christus nimmt seine Erlöserliebe zu uns, seine Bindung an seine Kirche, nicht zurück. "Gott ist treu" (1 Kor 1,9), sagt die Heilige Schrift. Aus diesem Grund ist auch der Ehebund unauflöslich.

 

Fassen wir kurz zusammen. Die Wahrheit ist nicht schwer zu verstehen. Die Ehe ist in den Augen Gottes etwas Großes und Heiliges. Gott verwendet den Ehebund, um das Liebesverhältnis Gottes zu uns Menschen zu zeigen. Der Neue Bund Christi am Kreuz ist der Maßstab für die Wahrheit über die Ehe. Es wird uns neuerdings bewusst, wie sehr die Ehe nicht "ein weltlich Ding" ist, sondern mit Gott zu tun hat.

 

Weihnachten feiern bedeutet nicht Stimmung usw. Der Sohn Gottes wird Mensch, um am Kreuz für uns zu sterben, den Neuen Bund zu schließen und unser Erlöser zu werden. Die Heilige Taufe hat uns in den Neuen Bund hinein genommen. Zu Weihnachten will Christus sozusagen das Bundesverhältnis zu uns erneuern. Wir feiern dann Weihnachten, wenn wir das an uns geschehen lassen, wenn wir das im Glauben annehmen, wenn auch wir von unserer Seite aus die Bindung an den Erlöser erneuern. "Dich wahren Gott ich finde, in meinem Fleisch und Blut. Darum ich fest mich binde, an dich mein höchstes Gut" (Gotteslob, Lied Nr. 140, Zu Bethlehem geboren).

 

In diesem Zusammenhang erkennen wir die Gnade der Hl. Beichte: das Liebesverhältnis zu Gott durch die Beichte wieder herstellen, wenn wir es durch eine schwere Übertretung im Bereich der 10 Gebote Gottes verloren haben. Und was wir alle benötigen: das Liebesverhältnis mit Gott durch die Beichte wieder reinigen, stärken, beleben... damit Christus uns durch die Feier der Festtage viele Gnaden aus dem Erlösungsopfer des Neuen Bundes schenken kann.

 

Indem wir in den Neuen Bund hineinwachsen, schaffen wir gleichzeitig auch die Basis, um die Schönheit und Größe der christlichen Ehelehre zu erfassen. Das ist nur möglich, wenn wir uns mit Gott befassen, an Christus binden, Christus lieben, den Bräutigam der Kirche. Amen.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.