26. Sonntag im JK A) - zum Fest der heiligen Erzengel – 29. September 2014

DER HEILIGE ERZENGEL MICHAEL UND DER GEISTESKAMPF

Predigt von Pfarrer Stephan Müller

 

Am 29. September begeht die Kirche das Fest der heiligen Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Diese drei Engel, die heiligen Erzengel, werden in der Heiligen Schrift mit Namen genannt. Sie haben in der Heilsgeschichte eine besondere Bedeutung. Das Dogma von der Existenz und dem Wirken der heiligen Engel ist etwas Wunderschönes und für unseren Alltag sehr wertvoll. Befassen wir uns heute mit dem heiligen Erzengel Michael und dem Geisteskampf.

 

Wir erfahren vom Erzengel Michael im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes, die auch Apokalypse genannt wird. Im 12. Kapitel der Apokalypse wird uns ein geheimnisvolles Ereignis geschildert, das wir in der Glaubenssprache den Sündenfall der Engel nennen. In Vers 7 heißt es: „Da erhob sich im Himmel ein Kampf.“ Auf manchen Bildern wird der hl. Erzengel Michael tatsächlich wie ein furchterregender Kämpfer dargestellt, mit Waffenrüstung, Schild und Schwert. Eine berühmte Darstellung dieser Art stammt vom Künstler Guido Reni, gest. 1642 in Bologna. Dieses Bild fand in der ganzen Welt Verbreitung. Das Hochaltarbild der Wallfahrtskirche in Maria Absam ist zB auch eine Kopie dieses Bildes. Wir verstehen, dass natürlich nicht ein Kampf wie auf einem Schlachtfeld gemeint sein kann. Der „Kampf im Himmel“ meint einen Geisteskampf bei den Engeln. Die Kirche spricht im Katechismus über diesen Kampf in Himmel im Zusammenhang mit dem Sündenfall der Stammeltern im Paradies:

 

KKK 391:

Hinter der Entscheidung unserer Stammeltern zum Ungehorsam steht eine verführerische widergöttliche Stimme, die sie aus Neid in den Tod fallen lässt. Die Schrift und die Überlieferung der Kirche erblicken in diesem Wesen einen gefallenen Engel, der Satan oder Teufel genannt wird. „Der Teufel und die anderen Dämonen wurden zwar von Gott ihrer Natur nach gut geschaffen, sie wurden aber selbst durch sich böse“.

 

KKK 392

Die Schrift spricht von einer Sünde der gefallenen Engel. Ihr „Sündenfall“ besteht in der freien Entscheidung dieser geschaffenen Geister, die Gott und sein Reich von Grund auf und unwiderruflich zurückwiesen. Wir vernehmen einen Widerhall dieser Rebellion in dem, was der Versucher zu unseren Stammeltern sagte: „Ihr werdet sein wie Gott“ (Gen 3,5). Der Teufel ist der „Sünder von Anfang an“ (1 Joh 3,8), der Vater der Lüge“ (Joh 8,44).

 

Hier wird uns sehr Grundlegendes über die Engel und Dämonen gesagt: Luzifer und sein Anhang ist aus sich selbst böse geworden. Der Kern der Sünde Luzifers ist der Hochmut: er wollte göttlich sein – ohne Gott und gegen Gott. Die Sünde der Engel bestand in einer freien Entscheidung, Gott und sein Reich unwiderruflich zurückzuweisen. Liebe gibt es nur, wo sie in Freiheit geschenkt wird. Deshalb ist die Liebesfähigkeit der Engel und auch von uns Menschen mit der Gabe der Freiheit des Willens ausgestattet. Liebe kann nicht erzwungen werden. Auch Gott erzwingt nicht unsere Liebe. Die Engel waren frei zu lieben – so wie wir Menschen. Luzifer und sein Anhang haben Nein gesagt – und mussten die Konsequenzen tragen. Die Sünde der Engel hat einen unwiderruflichen Charakter, sie kann in Ewigkeit nicht vergeben werden, weil sie keine Reue kennt (siehe KKK 393).

 

Der Sündenfall der Engel war also ein Geisteskampf in den Herzen der Engel, wir könnten auch sagen: eine Prüfung der Freiheit und der Liebe. Luzifer und die Engel, die sich ihm anschlossen, haben Gott und sein Reich zurückgewiesen und den Platz im Himmel für immer verloren. Michael und die Engel, die sich ihm anschlossen, haben sich für Gott und für sein Reich entschieden und sind für immer bei Gott geblieben. Seit dem Sündenfall der Engel gibt es den heilsgeschichtlichen Gegensatz zwischen Licht und Finsternis.

 

Die Offenbarung sagt, dass Luzifer auf die Erde gestürzt wurde. Durch den Sündenfall im Paradies geht der Geisteskampf auf Erden unter uns Menschen weiter. Luzifer ist der Drache, der hinging, um Krieg zu führen gegen die Menschen, die den Geboten Gottes gehorchen (Offb 12,17).

 

Auch die ganze Menschheitsgeschichte wird von diesem Geisteskampf zwischen Licht und Finsternis durchzogen. Wie sollen wir uns diesen Kampf vorstellen? Es ist wiederum ein geistiger Kampf, der freilich am Kreuz Christi blutig ausgetragen wurde. Bei blutigen Christenverfolgungen geschieht ähnliches. Die beiden „Kampfparteien“, Gott und Luzifer, stehen nicht auf der gleichen Ebene. Luzifer und seine Genossen sind gefallene Engel, sie sind nur Geschöpfe. Und Christus hat durch seinen Kreuzestod Satan und seine Engel besiegt und gerichtet. Wir sind auch davon erlöst. Die Kirche lehrt, dass im Letzten sogar der Teufel – auch wenn er es nicht will - dem Reich Gottes dienen muss. Dh Gott beschützt jene, die ihn lieben und führt bei ihnen alles zum Guten (Röm 8,28).

 

Trotzdem ist das Wirken des Teufels von Gott in der Welt auch zugelassen, was für uns ein Geheimnis ist (KKK 395). Der Geisteskampf vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen: auf der Ebene des Glaubens, der Wahrheit über Gott. Wie im Paradies will der Teufel den Menschen einreden, dass sie durch die Trennung und seinen Geboten von Gott frei werden, wie Gott werden. Das ist die Urversuchung. Der Geisteskampf vollzieht sich auf der Ebene des Lebens: der Teufel will das Leben der Natur und des Menschen stören und zerstören, er will den Tod. Ganz konkret denken wir hier an den Kampf um das Leben der ungeborenen Kinder, an den Kampf um die Identität der Menschennatur als Geschöpf Gottes – gegen Gender, an den Kampf um die Wahrheit über die Familie im Plan Gottes. Der Geisteskampf ist auch in die Kirche eingedrungen. Es scheiden sich – vor allem bei uns in Westeuropa – immer mehr die Geister, es wird immer mehr sichtbar, wer von den Katholiken den katholischen Glauben annimmt oder ablehnt. Der Geisteskampf vollzieht sich auch in unserem persönlichen Leben, bei unseren Entscheidungen zwischen Gut und Böse.

 

Der heilige Erzengel Michael hat genau in diesem Geisteskampf seine Sendung. Er hat von Gott den Auftrag erhalten, das Wirken Satans zurückzuweisen – auch heute. Seine Waffen sind nicht irdisch, sondern himmlisch. Wenn wir das berühmte Bild des hl. Erzengels Michael des Künstlers Guido Reni betrachten zeigt es uns einen kriegerischen Kämpfer, was nur ein Symbol für den Geisteskampf ist. Die "Waffen" des Erzengels Michael erkennen wir, wenn wir sein Gesicht betrachten: Es ist nicht das Gesicht eines Kämpfers, sondern das Gesicht eines Kindes, es trägt die Züge der Demut, der Unschuld, der kindlichen Liebe zu Gott.

 

- Das Wesen Luzifers war und ist der Stolz. Was den Bösen Feind überwindet, ist die Demut. Sehen wir die Demut einfach auch als das geistige frohe Kindsein vor Gott. In der Demut wissen wir um unsere Schwachheit, Hinfälligkeit, um die Begrenztheit unseres Erkennens. In der Demut lassen wir uns ergänzen, uns helfen, hören wir auf Gott und die Kirche, wir wissen nicht alles selber, wir können einen Rat annehmen... In der Demut können wir Gott anbeten, vor Gott knien…

- Zum Wesen Luzifers gehört der Ungehorsam. Was den Bösen Feind überwindet ist der Gehorsam des Glaubens, der aus der Liebe kommt. In Glaube und Liebe sehen wir die Gebote Gottes nicht als eine Einschränkung, sondern als einen Weg in die Freiheit, als die Öffnung vieler Möglichkeiten zur Entfaltung unseres Menschseins. Wir sehen die Lehre der Kirche als ein Licht, das von Gott kommt, unser Denken erleuchtet. Im Gehorsam binden wir uns an die lebensspendenden Gebote und an die Lehre der Kirche.

- Zum Wesen Luzifers gehören der Hass und die Lieblosigkeit. Was den Bösen Feind überwindet ist die Liebe. Wir haben im Alltag so viele Möglichkeiten, Gott und einander kleine und größere Taten der Liebe zu erweisen: in Gedanken ein Stoßgebet, ein Akt der Liebe zu Gott: „Jesus, ich liebe Dich, mein Gott, ich liebe Dich.“ In Worten: ein ungutes Wort unterlassen, eine kleine Aufmunterung, ein Danke oder Bitte; eine verborgene Tat der Liebe.

 

Der heilige Erzengel Michael führt den Geisteskampf durch seine Demut, durch seinen Glauben an Gott, durch seine Liebe. Das sind die Waffen, die er auch uns lehrt. Jede Tat der Demut, des Glaubens, der Liebe, des Gehorsams ist viel stärker als die Macht der Finsternis.

 

Alle diese Haltungen hatte die Muttergottes in sich, mehr als jeder andere Mensch. Deshalb ist vor allem Maria diejenige, die den Kopf der Schlange, das stolze Haupt Luzifers zertritt; dh sie macht sein Wirken unschädlich, sie bereitet den Werken Gottes den Weg. Sie ist ja auch die Königin der Engel, die in ihrem Dienst stehen.

 

Immer wieder werde ich von Gläubigen gefragt, was man tun oder beten soll, um Schutz vor dem Einfluss des bösen Feindes zu haben. Zunächst ist es wichtig, dass wir vor dem Teufel keine Angst haben. Doch wir müssen wissen um seine Existenz und seine Absichten. Der größte "Exorzismus" ist das Hl. Messopfer und die Heilige Beichte. Dann gibt es das Michaelsgebet. Beten wir es gerne, sogar täglich. Papst Johannes Paul II. hat mit folgenden Worten dazu aufgerufen:

 

"Möge uns das Gebet für den geistigen Kampf stärken, von dem der Brief an die Epheser spricht: "Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn" (6, 10). Auf diesen Kampf bezieht sich das Buch der Offenbarung, wenn es uns das Bild des hl. Erzengels Michael vor Augen stellt (12, 7). An diese Szene dachte gewiss Papst Leo XIII., als er Ende des vergangenen Jahrhunderts in der ganzen Kirche ein besonderes Gebet zum hl. Michael einführte: "Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns..." Obwohl dieses Gebet am Schluss der Eucharistiefeier nicht mehr gesprochen wird, ermahne ich alle, es nicht zu vergessen und es zu beten, um Hilfe zu erlangen im Kampf gegen die Mächte der Finsternis und gegen die Gesinnung dieser Welt. (Johannes Paul II. am 24.4.1994)

 

Papst Franziskus ließ in den Gärten des Vatikans eine große Statue des hl. Erzengels Michael aufstellen. Am 6. Juli 2013 weihte er die Vatikanstadt dem heiligen Erzengel Michael und segnete diese Statue. Dabei sagte er wörtlich:

 

"In den Vatikanischen Gärten befinden sich verschiedene Kunstwerke. Das Werk, das heute dazukommt, ist jedoch von besonderer Wichtigkeit, sowohl aufgrund des Ortes seiner Aufstellung als auch aufgrund der Bedeutung, die es zum Ausdruck bringt. Es ist nämlich nicht nur ein Werk zu einem Gedenken, sondern stellt eine Einladung zum Nachdenken und zum Gebet dar, die sich in das Jahr des Glaubens einreiht.


Michael – was bedeutet: <Wer ist wie Gott> – ist der Vorkämpfer des Primats Gottes, seiner Transzendenz und Macht. Michael kämpft, um die göttliche Gerechtigkeit wieder herzustellen. Er verteidigt das Volk Gottes vor seinen Feinden und vor allem vor seinem Feind schlechthin, dem Teufel. Und der heilige Michael siegt, da in ihm Gott handelt. Diese Skulptur ruft uns also in Erinnerung, dass das Böse besiegt ist. Der Ankläger ist entlarvt, sein Haupt zerdrückt, da sich das Heil ein für alle Mal im Blut Christi erfüllt hat. Auch wenn der Teufel immer versucht, das Antlitz des Erzengels und das Antlitz des Menschen zu zerkratzen, ist Gott stärker. Sein ist der Sieg und sein Heil ist allen Menschen angeboten.

Auf dem Weg und in den Prüfungen des Lebens sind wir nicht allein, sondern von den Engeln Gottes begleitet und getragen, die sozusagen ihre Flügel anbieten, um uns zu helfen, die vielen Gefahren zu überwinden, um gegenüber jenen Wirklichkeiten in die Höhe fliegen zu können, die unser Leben belasten oder uns hinabziehen können. Indem wir die Stadt des Vatikanstaates dem heiligen Michael weihen, bitten wir, dass er uns vor dem Satan verteidige und ihn hinauswerfe."
Amen.

 

 

Gebet zu den Fürbitten:

 

Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe; gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels, sei unser Schutz! GOTT gebiete ihm, so bitten wir flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stoße den Satan und die anderen bösen Geister, die in der Welt umhergehen, um die Seelen zu verderben, durch die Kraft Gottes in die Hölle. Amen.

 

 

 

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