Kirchweihfest der Pfarrkirche Imsterberg, Sonntag, 31. August 2014

Predigt von Pf. Stephan Müller

"WIE MICH DER VATER GESANDT HAT, SO SENDE ICH EUCH" (Joh 20,21).

DIE HIERARCHISCHE UND SAKRAMENTALE VERFASSUNG DER KIRCHE

 

Das Kirchweihfest ist unser Dank an den Dreifaltigen Gott für unser Gotteshaus, unser Dank für die Gegenwart unseres Herrn und Gottes Jesus Christus im Tabernakel, unser Dank für alle Liebe und Gnade, mit der der Herrgott unsere Seelen an diesem heiligen Ort beschenkt. Als Ortsseelsorger möchte ich heute auch allen von Herzen danken und Vergelt's Gott sagen, die ihre Zeit und ihre Fähigkeiten der Pflege und Erhaltung unserer schönen Pfarrkirche widmen. Vergelt's Gott auch allen Wohltätern, die mit ihren finanziellen Spenden zur Erhaltung des Gotteshauses beitragen - und nicht zuletzt: den treuen Betern!

 

Das heutige Kirchweihfest ist uns ein Anlass, über das Glaubensgeheimnis der Kirche nachzudenken. Die Kirche wird heute von vielen Menschen nicht mehr verstanden. Man versteht vielleicht noch die soziale Dimension... doch das Tiefere und die eigentliche Sendung der Kirche wird auch von vielen Getauften nicht mehr verstanden. Das zeigen zB die vielen Kirchenaustritte. Hier wird die Kirche von Menschen verlassen, die sie wahrscheinlich nie richtig kennen gelernt haben. In unserer Pfarre geschehen übrigens nur sehr wenige Kirchenaustritte...

 

Dazu kommen schwierige innerkirchliche Vorgänge: Verwirrung, auch Häresien im Bereich der Glaubenslehre, Ungehorsam bis hin zu den Versuchen, eine andere Kirche zu bauen. Manche "Reformer" wollen die Kirche in ihrem Wesen verändern, doch sie wollen, wie es scheint, nicht ihr eigenes Herz bekehren und nicht ihr Leben ändern. Wer die Kirche nur menschlich sieht, vergleicht sie zB mit einem Verein oder Wirtschaftsbetrieb, der seine Statuten und Ziele nach Belieben verändern kann. Manche teilen die Kirche auf in "oben und unten". Wieder andere fordern eine Demokratisierung der Kirche. Wir sind solche weltlichen Modelle gewohnt, leiden manchmal auch darunter; es ist sicher nicht immer einfach, zB in einem Angestelltenverhältnis zu sein, wo andere alles vorgeben.

 

In ihrer Geschichte hat sich die Kirche in ihrem äußeren Bereich manchmal auf weltliche und politische "Moden" eingelassen, das war oft mit seelsorglichem Schaden verbunden. Doch alle diese weltlichen oder politischen Modelle gehen am Wesen der Kirche vorbei. Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus forderten in diesem Sinn mehrmals eine "Entweltlichung" der Kirche. Das 2. Vatikanische Konzil sagt uns: Die Kirche ist "kraft ihrer Sendung und Natur an keine besondere Form menschlicher Kultur und an kein besonderes politisches, wirtschaftliches oder gesellschaftliches System gebunden" (2. Vatikanisches Konzil, Kirche und Welt, Artikel 42).

 

Um der inneren Not der Kirche abhelfen zu können, müssen wir tiefer gehen. Wir müssen auf Christus schauen. Wir müssen das Wesen der Kirche erkennen, ihre Grundlagen, so wie Christus sie gestaltet hat, und daraus leben. Es gibt ein Wesen der Kirche, das von Gott kommt, und das wir Menschen deshalb nicht verändern können. Zum Wesen der Kirche gehört, dass sie von Christus hierarchisch und sakramental verfasst ist. Hierarchie bedeutet wörtlich heiliger Ursprung. Mit dem Wort Hierarchie meinen wir das Weiheamt in der Kirche, die Amtsträger, das sind der Papst, die Bischöfe, Priester und Diakone. Das apostolische Amt entfaltet sich in diesen drei Stufen.

 

Das Besondere der Kirche ist, wie schon gesagt, ihre hierarchische Verfassung - ihr heiliger Ursprung. Die Kirche und die kirchliche Hierarchie haben ihren Ursprung im Herzen des himmlischen Vaters, der uns seinen Sohn geschenkt hat, der sich mit unserer Menschennatur vereint hat, der die Kirche gegründet und ihr die Vermittlung der Erlösungsgnaden übertragen hat. Nehmen wir nochmals das 2. Vatikanum zu Hilfe; das Konzil sagt es so: "Hervorgegangen aus der Liebe des ewigen Vaters, in der Zeit gestiftet von Christus dem Erlöser, geeint im Heiligen Geist, hat die Kirche das endzeitliche Heil zum Ziel, das erst in der künftigen Weltzeit voll verwirklicht werden kann" (2. Vatikanisches Konzil, Kirche und Welt, Artikel 40).

 

Die hier im Konzilstext aufgezeigte kirchliche Hierarchie ist nicht schwer zu verstehen: Der himmlische Vater sendet seinen Sohn. Der Sohn Gottes erwählt und sendet die zwölf Apostel. Die zwölf Apostel erwählen und senden Nachfolger, die Bischöfe und Priester. Das ist die vom Dreifaltigen Gott errichtete Hierarchie der Kirche.

 

Wer das mit einem gläubigen Denken erfasst, begreift, warum es nicht eine "Amtskirche" und eine "Laienkirche" gibt, sondern nur die eine Kirche, die Christus hierarchisch mit dem apostolischen Amt ausgestattet hat. Auf diese Weise - durch diese hierarchische und sakramentale Verfassung - ist Christus in den Sakramenten bei uns geblieben, können wir uns mit ihm, dem Erlöser, verbinden.

 

Jetzt könnte man einwenden: Ja, wie können wir das behaupten, dass Christus die Kirche so gewollt hat - hierarchisch? Schauen wir in die Heilige Schrift.

 

-         Christus sagt zu den Aposteln: "Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe" (Joh 15,9). Die Linie vom Vater zum Sohn. "Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander Lieben" (Joh 15,12). Die Linie von den Aposteln zu den Menschen.

-         Christus sagt zu den Aposteln: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Joh 20,21). Die Linie vom Vater zum Sohn, vom Sohn zu den Aposteln.

-         Ganz das gleiche erkennen wir auf der Ebene der Verkündigung: Christus sagt den Aposteln: Alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch mitgeteilt" (Joh 15,15). Christus wiederum sendet die Apostel: "Geht hinaus in die ganze Welt, verkündet das Evangelium allen Geschöpfen" (Mk 16,15). "Wer euch hört, der hört mich" (Lk 10,16).

 

Wenn Christus zu Petrus über die Kirche sagt: "Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen" (Mt 16,18), dann meint er damit auch, dass die göttliche Verfassung der Kirche niemand zerstören kann. Die Kirche kann an gesellschaftlichem Einfluss verlieren, im Bereich des Wirtschaftlichen zurückgehen, sie kann in einzelnen Ländern und Gebieten sogar ganz verschwinden. Doch sie selber - von ihrem Wesen her gesehen - wird bis zum Ende der Zeit bestehen.

 

Warum hat Christus die Kirche hierarchisch verfasst?

 

Der hl. Pfarrer von Ars hat einmal gesagt: "Lasst eine Gemeinde zehn Jahre ohne Priester, und sie beten die Tiere an." Damit wir nicht die falschen Götzen anbeten, sondern den wahren Gott finden und anbeten, hat Gott der Kirche das Weiheamt geschenkt. Der hl. Pfarrer von Ars sagte es bei seinem ersten Weg nach Ars einem Hirtenbub, den er nach dem Weg fragte, so: "Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt, ich werde dir den Weg zum Himmel zeigen."

 

Theologisch kann man es so sagen:

 

a) Das apostolische Amt hat vor allem einen Dienstcharakter. Das Weiheamt steht im Dienst der Verkündigung des Wortes Gottes und der Spendung der heiligen Sakramente. Der hl. Apostel Paulus sagt es so: "Als Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes soll man uns betrachten" (1 Kor 4,1).

b) Im Bereich der Sakramente und der Verkündigung üben die Amtsträger eine geistliche Vollmacht aus. Das erfahren wir zB besonders bei der sakramentalen Lossprechung, bei der Heiligen Wandlung, beim Segen... Die Vollmacht der Bischöfe und Priester ist eine geistliche Vollmacht, nicht eine weltliche Macht. Es geht nicht um "oben und unten", sondern um einen heiligen Dienst zur Vermittlung der Erlösungsgnaden. Es ist ein Dienst am Heiligen, ein Dienst an der Wahrheit Christi. Hören wir dazu das 2. Vatikanum: "Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran und leitet es; er vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gottes dar" (2. Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium, 10,2).

 

c) In der Kirche geht es nicht um Events und Massenveranstaltungen... In der Kirche geht es um Berufung und Sendung durch Gott. Gott ruft immer den einzelnen Menschen. Die Kirche bestätigt jede einzelne Berufung: zum Gottgeweihten Leben, zum Priestertum, zur Ehe. An dem erkennen wir, dass für Gott die einzelne Seele wichtig ist. Die einzelne Seele soll durch den Dienst der kirchlichen Hierarchie - durch die geistlichen Väter der Kirche - die Liebe und Zuwendung Christi erfahren.

 

d) Eine wichtige Unterscheidung: Das Weiheamt - und die Person des Amtsträgers. Als Mensch können Amtsträger weit abstürzen und großen Schaden anrichten. Deshalb an dieser Stelle ein herzliches Vergelt's Gott für das Gebet für die Priester. Vor dem Weiheamt sollen wir Ehrfrucht haben. Christus identifiziert sich so sehr mit dem Weiheamt dass er den Aposteln sagt: "Wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat" Lk 10,16). Der Pfarrer von Ars sagte: "Das Priestertum, das ist die Liebe des Herzens Jesu!"

 

Der Glaube der Kirche spiegelt sich in der Liturgie und im Kirchenbau. In der überlieferten Liturgie ist besonders beim Levitenamt die hierarchische Verfassung der Kirche zu sehen: die gestaffelte Aufstellung der Altardiener bei den Amtsgebeten: Priester, Diakon Subdiakon, Ministranten, das gläubige Volk. Das 2. Vatikanische Konzil hat dieses Wesensverständnis von Kirche nicht aufgegeben. Im Gegenteil. In der Liturgiekonstitution lehrt das Konzil:

 

"Überdies werden die Gebete, die der Priester, in der Rolle Christi an der Spitze der Gemeinde stehend, an Gott richtet, im Namen des ganzen heiligen Volkes und aller Umstehenden gesprochen. Die sichtbaren Zeichen endlich, welche die heilige Liturgie gebraucht, um die unsichtbaren göttlichen Dinge zu bezeichnen, sind von Christus und der Kirche ausgewählt. Daher wird nicht bloß beim Lesen dessen, <was zu unserer Belehrung geschrieben ist> (Röm 15,4), sondern auch wenn die Kirche betet, singt oder handelt, der Glaube der Teilnehmer genährt und ihr Herz zu Gott hin erweckt, auf daß sie ihm geistlichen Dienstleisten und seine Gnade reichlicher empfangen" (2. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Heilige Liturgie, 33).

 

Die Kirche wird sich dort erneuern, wo die Einheit mit dem apostolischen Amt gelebt wird und die heiligen Sakramente im Zentrum stehen. Wo das nicht der Fall ist, löst sich die Kirche auf. Wo sich die Kirche auflöst, kehrt das Heidentum zurück. Die Tradition der Kirche sagt, dass verlassene Altäre von den Dämonen heimgesucht werden. Das Heilighalten und Leben mit den Sakramenten, die von den katholischen Bischöfen und Priestern gespendet werden, gehört zum innersten Wesen der Kirche. Nur aus dieser Quelle heraus kann die Kirche leben und neu aufblühen. Auch wir persönlich.

 

Maria, Mutter der Kirche, bitte für uns arme Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.