Liebe Gläubige der Pfarrfamilie Imsterberg - von Pf. Stephan Müller - ein Segenswunsch in einer Zeit der Not

„Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade!“

2 Kor 6,2

           

                                                                                      21.3.2020, zum Sonntag LAETARE

Liebe Gläubige meiner Pfarrfamilie!

Wir erleben in der gegenwärtigen weltweiten Krise, wie Menschen plan- und ziellos sind, von Lebens- und Zukunftsängsten niedergedrückt, auch wenn sich davon manches durch Ablenkung verbergen lässt.           

Versuchen wir, auf die über uns gekommenen Ereignisse auch gläubig und übernatürlich zu reagieren. Wer mit dem Licht des Glaubens denkt, erkennt tiefer als eine rein menschliche Sichtweise der Dinge; dies gilt für die Wurzel aller Probleme, die - heilsgeschichtlich gesehen - in der Abkehr von Gott besteht, das biblische Wort dafür ist Sünde, dh sich absondern vom Gott des Lebens und von den Mitmenschen. Im Licht des Glaubens erkennen wir auch tiefer die nötigen geistigen Heilmittel zur Überwindung aller Nöte und Probleme. Die katholische Kirche hat durch Christus die Fülle der Gnaden, Heilmittel und seelischen Hilfen, davon dürfen wir profitieren, für uns persönlich, stellvertretend und fürbittend auch für viele andere Menschen, denen unser persönliches Handeln segenbringend zugutekommt.

           

Unsere erste gläubige Antwort auf die gegenwärtige Not ist der gläubige Aufblick zum Kreuz Christi und zur Barmherzigen Liebe Gottes, die Hinwendung zu Gott. Wenden wir uns aus ganzem Herzen wieder GOTT, seinen lebensspendenden Geboten, seiner Offenbarung und Heilsordnung zu. Ein Leben mit Gott ist nur möglich durch eine bewusste Willensentscheidung und eine aufrichtige Bekehrung des Herzens und Erneuerung des Lebens. In der Offenbarung der 10 Gebote hat Gottes Liebe uns den gesegneten und geschützten Lebensraum eröffnet, in dem sich unser Leben gesund und reich entfalten kann.

           

Zeitlos sind jene Worte Gottes aus der Heiligen Schrift des Alten Bundes, mit denen Gott Seinem geliebten Volk durch Moses die Gebote als Weg des Lebens und Glückes übergibt:

           

„Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor.

Wenn du auf die Gebote des Herrn, deines Gottes, auf die ich dich heute verpflichte, hörst, indem du den Herrn, deinen Gott, liebst, auf seinen Wegen gehst und auf seine Gebote, Gesetze und Rechtsvorschriften achtest,

dann wirst du leben und zahlreich werden und der Herr, dein Gott,

wird dich in dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, segnen.

           

Wenn du aber dein Herz abwendest und nicht hörst, wenn du dich verführen lässt,

dich vor anderen Göttern niederwirfst und ihnen dienst -

heute erkläre ich euch:

Dann werdet ihr ausgetilgt werden; ihr werdet nicht lange in dem Land leben,

in das du jetzt über den Jordan hinüberziehst,

um hineinzuziehen und es in Besitz zu nehmen.

           

Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen gegen euch an.

Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch.

Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.

Liebe den Herrn, deinen Gott, hör auf seine Stimme und halte dich an ihm fest;

denn er ist dein Leben. Er ist die Länge deines Lebens, das du in dem Land verbringen darfst, von dem du weißt:

Der Herr hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen, es ihnen zu geben.

Deuteronomium 30, 16-20

           

Wichtig ist, dass jeder von uns persönlich sich bekehrt, Schritte der Umkehr setzt. Ändern wir unser Denken und unser Leben, wo wir uns mit den Geboten Gottes und dem Evangelium Christi nicht im Einklang befinden, und dadurch am wahren Leben vorbeileben. Das Sakrament der persönlichen Umkehr ist die heilige Beichte, das Ostergeschenk des Auferstandenen Christus. Gerade jetzt ist es passend, sich mit Hilfe eines Gewissensspiegels an Hand der 10 Gebote auf eine aufrichtige Beichte vorzubereiten. Die Umkehr zu Gott, alle  Taten des Glaubens, der Hoffnung, der Gottes- und Nächstenliebe gereichen nicht nur uns, sondern allen zum Heil und zum Segen.

           

Die vom Staat verfügten Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Überwindung der Krankheit haben für uns alle durchaus noch weitere positive Seiten: Die Familien sind beisammen, können Zeit miteinander verbringen, wieder mehr miteinander reden lernen; einem unruhigen Lebensrhythmus wird heilsame Ruhe auferlegt; wir haben alle mehr Zeit zum Nachdenken über das, was im Blick auf unsere unsterbliche Geistseele und die Ewigkeit zählt und wirklich notwendig ist; wir haben auch mehr Zeit zum persönlichen Gebet usw. Nützen wir diese Zeit? Oder flüchten wir immer noch davor, uns den existentiellen Lebens- und Glaubensfragen zu stellen?

           

Ein Krankheitsvirus erschüttert die gesamte Menschheit und belastet mit vielen Ängsten. Doch müssen wir wirklich vor einer Krankheit solche Angst haben? Gibt es nicht gleichsam geistige „Corona-Viren“, die für unser irdisches Leben und für die Ewigkeit viel bedrohlicher sind? Ich denke hier an die sogenannten Ismen, die seit vielen Jahren geistig die Seelen und die Lebenshaltungen der Menschen vereinnahmen oder gar vergiften.  Solche Ismen - solche geistige „Corona-Viren“ - sind zB:

           

Materialismus: Die Fixierung auf das Materielle, nicht das Geistige - nur das Stoffliche existiert wirklich.

Pragmatismus: Es zählt der praktische Erfolg, es gibt keine unveränderlichen Prinzipien.

Hedonismus: Es zählt was Lust macht, Schmerz und Leiden werden vermieden.

Atheismus: Es gibt keinen Gott, man lebt auch dementsprechend, man erkennt keine Verantwortung des  Menschen vor Gott.

Agnostizismus: Gott ist nicht erkennbar. Die Lebensweis ist wie beim Atheismus.

Konsumismus: Es zählt die persönliche Befriedigung, die oft an der Oberfläche bleibt.

Utilitarismus: Gut ist, was nützt und Vorteil bringt.

Relativismus und Subjektivismus: Es gibt keine objektive und allgemeingültige Wahrheit, es gibt keine vorgegebenen Werte, auch nicht in Ethik und Moral, der Einzelne tut, was ihm beliebt.

Nihilismus: Alles Seiende ist ohne Sinn, alle Werte, Ideale und Ziele werden verneint.

Egoismus: Die Fixierung auf das eigene und übersteigerte Ich. Der Mensch denkt und lebt nicht mehr von Gott her, er macht sich selbst und Mittelpunkt.

Aktivismus: Die Flucht in die ständige Arbeit und Beschäftigung, man kann keine Ruhe geben, nicht mehr nachdenken und zur Besinnung kommen.

Perfektionismus: Übergenauigkeit, man kann nicht annehmen, dass der Mensch eine durch die Konkupiszenz (Folgen der Erbschuld) verwunde Natur hat. Dahinter steckt gerne der Stolz, in dem der Mensch nicht annehmen will, dass er aus sich selbst nichts vermag und auf die Gnade und Hilfe Gottes, sowie auch auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist.

Sexismus: Die Sexualität wird vom Schöpfungsplan Gottes losgelöst und zu einem vermeintlichen Eigenwert hochgesteigert.

Opponismus: Das Murren und Aufbegehren, kirchlich zB gegenüber der Lehre der Kirche, dem Gottesdienst, dem Heiligen…

Katholizismus: Der katholische Glaube wird politisiert, in wirtschaftliche und gesellschaftliche Systeme übergeführt, in denen der Glaube der Kirche letztlich keine Rolle mehr spielt. Hier wird die Kirche zu wirtschaftlichen Strukturapparaten und zu Freizeit-Clubs verfälscht, die zu wenig oder nicht mehr mit persönlichem Glaubensleben des Einzelnen erfüllt sind; eine Versuchung für die Kirche aller Zeitepochen in den materiell reichen Ländern.

           

Alle diese Ismen sind wie geistige „Viren“, sie lassen die Seele letztlich leer zurück und verwüsten sie. Kurz: Die übernatürliche Berufung des Menschen und seine höheren geistig-seelischen Dimensionen finden durch diese Ismen immer seltener Beachtung. Wie weit wir selber von solchen Ismen befallen sind, vermag uns der Heilige Geist zu erkennen  zu geben, wenn wir dafür offen sind.

           

Der Glaube der Kirche gibt uns die Gewissheit: GOTT, unser Schöpfer, ist größer als alle Bedrohungen des Leibes und der Seele. CHRISTUS ist unser Heil ist, unser Erlöser und Heiland, der uns nie im Stich lässt. Sein Kreuzesopfer von Golgota, das beim Heiligen Messopfer unblutig gegenwärtig wird, Sein Göttliches Blut, das sich nach der Heiligen Wandlung im Kelch befindet und angebetet wird, überwindet den Tod und alle Übel, auch Seuchen und Krankheiten. „Christi Blut macht alles gut“, haben unsere gläubigen Vorfahren gerne gesagt.

           

Die über uns gekommene Not ermöglicht uns leider keine gemeinsamen Gottesdienste. Das ist sehr schmerzlich für die Gläubigen und auch für uns Priester. Ihr sollt wissen, dass ich im täglichen Gebet an euch denke. Vor allem bringe ich täglich das Heilige Messopfer dar, zum Heil der Lebenden und der Verstorbenen, für meine Pfarrfamilie, für die Kranken und Sterbenden, für die Trauernden, für die Ärzte und jene, die sie unterstützen, für die nach Gott Suchenden, um die Gnade der Bekehrung, um Wachstum im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe... Vor allem im Heiligen Messopfer sind wir miteinander verbunden.

           

Machen wir die gegenwärtige Zeit zu einer „Zeit der Gnade“, wie der hl. Apostel Paulus es sagt. Lassen wir den Anruf der Gnade nicht fruchtlos an uns vorübergehen.

           

Das Bußsakrament kann individuell gerne empfangen werden, dazu sich telephonisch oder mit Mail mit mir in Verbindung setzen, wir werden einen Weg finden. Auch Kranken oder Schwerkranken stehen die Sakramente der Kirche offen.

           

Wer mit dem Auto notwendige Fahrten zu machen hat (Lebensmittel, Apotheke, Arzt usw.) kann bei solchen Besorgungen – als Einzelner – ohne weiteres bei der Pfarrkirche die Fahrt unterbrechen, und in der geöffneten Kirche eine Zeit zum persönlichem Gebet vor dem Tabernakel verbringen. Wer in der Nähe einer Kirche wohnt, möge von diesem Vorteil eifrig Gebrauch machen.

           

Seelsorgliche Gespräche können auch über das Telephon geführt werden. Bitte meldet euch.

           

Die Gläubigen sollen wissen, dass ich jeden Tag mit dem Allerheiligsten alle segne, die mir als Priester anvertraut sind. Auch spende ich mit einem Kreuzpartikel mehrmals am Tag für alle den Segen.

           

Erbitten wir auch die Fürsprache der Heiligen, besonders des hl. Joseph, der Pestpatrone Sebastian und Rochus, der heiligen Vierzehn Nothelfer, unserer persönlichen Lieblingsheiligen.

           

Stellen wir uns auch vertrauensvoll unter den Schutz der Schmerzhaften Muttergottes, die wir auch als Mutter der Kirche, Heil der Kranken und Mittlerin aller Gnaden anrufen. Möge die Gottesmutter uns erbitten, dass diese Zeit der Not uns allen zur Zeit der Gnade werde, damit wir mit geläutertem und neuem Herzen in unserer Pfarrkirche Ostern feiern, das Osterlob singen und frohen Herzens GOTT DANK SAGEN KÖNNEN.

           

Mit diesen Worten grüße ich alle herzlich und wünsche euch Gottes Segen und Schutz.

           

Auf ein frohes Wiedersehen zu den sonntäglichen Festgottesdiensten in unserer Pfarrkirche. Möge dann das Gotteshaus überfüllt sein von Gläubigen, die ob der überwundenen Not GOTT danken und Ihn lobpreisen. Möge es uns bald geschenkt werden.

           

Euer Pf. Stephan Müller

           

           

Konkrete Gebetsanregungen für daheim:           

Der Rosenkranz.

Der Kreuzweg.

Die kirchlichen Litaneien: zb Lauretanische Litanei. Allerheiligenlitanei.

Der Psalm 91 („Wer im Schutz des höchsten wohnt“)

Die sieben Bußpsalmen (Heft liegt in der Kirche auf).

Das Gebet zum hl. Joseph („Zu dir, o heiliger Joseph, fliehen wir in unserer Not“)

Das Memorare des hl. Bernhard („Gedenke, o gütigste Jungfrau“)

Gebet von Bischof Hermann Glettler (siehe unten)

           

In der Kirche liegen auch Gebetskarten und manche Texte zur Besinnung auf.

           

           

Worte unseres Bischofs

           

Die vorläufige Aussetzung der Gottesdienste bedeutet nicht,

dass in unserem Land damit das geistliche Leben zusammenbricht.

Vielleicht kann diese Notlage die Chance sein,

das persönliche Gebet der Menschen zu stärken

und unsere Kirchen als geistliche Orte ins Bewusstsein zu rufen,

die man unabhängig von Gottesdiensten aufsuchen kann.

Ja, es braucht in diesen Wochen nicht weniger,

sondern mehr Gebet! Auch in den Familien.

           

Unsere Kirchen sollen als Orte der Hoffnung

bewusst offen gehalten werden.

Ich bitte um viele Anregungen für das persönliche, individuelle Gebet.

           

Auch die eucharistische Anbetung in Stille ist möglich,

aber bitte keine Gebetszusammenkünfte organisieren.

Im individuellen Gebet

soll die Kommunion mit Jesus, dem Herrn vertieft werden.

           

Bitte auch den Dienst der Versöhnung - Aussprache und Beichte - anbieten.

           

Die Fastenzeit 2020 bekommt angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen einen besonderen Akzent.

Ich hoffe, dass unsere Sehnsucht nach der Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn

durch alle Ereignisse hindurch gestärkt werde.

           

Bischof Hermann Glettler, aus einem Brief an die Priester der Diözese

 

Gebet von Bischof Hermann:

Herr, Du Gott des Lebens,

betroffen von der Corona-Epidemie kommen wir zu Dir.

Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist

und bitten um Heilung für alle Erkrankten.

Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.

Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.

Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,

und allen Pflegenden Kraft in ihrer extremen Belastung.

Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.

 

Dankbar beten wir für alle, die mit ihren vielfältigen Diensten

die Versorgung und Sicherheit unseres Landes aufrechterhalten.

Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.

Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden erleiden oder befürchten.

Besonders denken wir an Personen und Orte, die unter Quarantäne stehen,

und an alle, die sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.

Heiliger Geist tröste die alten und pflegebedürftigen Menschen,

berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit,

dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.

 

Von ganzem Herzen bitten wir, dass die medizinischen Einrichtungen

auch weiterhin den enormen Anforderungen entsprechen können.

Wir beten, dass die Zahl der Infizierten und Erkrankten abnimmt

und hoffen auf eine baldige Rückkehr zum vertrauten Alltag.

Sehnsuchtsvoll bitten wir um eine weltweite Eindämmung der Krankheit.

Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen.

 

Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.

Wir sind sterbliche Wesen und müssen unsere Grenzen akzeptieren.

Du allein bist ewig, Ursprung und Ziel von allem – immer liebend.

Gemeinsam und im Vertrauen auf Deine Hilfe werden wir die Krise bestehen.

Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen,

Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht

und macht uns offen füreinander – aufmerksam und achtsam.

Dein Herz ist gütig und demütig, eine erfrischende Quelle des Friedens.

Jesus, wir vertrauen auf Dich!  

Heilige Maria, Mutter unseres Herrn, und alle heiligen Frauen und Männer,

Nothelfer und Schutzpatrone unseres Landes, bittet für uns! 

Amen.

 

 

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.