02 Eucharistie und lateinische Ansprache

„Sacramentum Caritatis – Sakrament der Liebe“

Nachsynodales Schreiben von Papst Benedikt XVI. – Folge 2

 

Über die lateinische Sprache beim Gottesdienst (Abschnitt 62)

 

In der Presse wurde das Thema „lateinische Sprache im Gottesdienst“ besonders heraus gegriffen. Dazu möchte ich als Pfarrer folgende Gedanken darlegen. Es gibt immer noch die völlig falsche Meinung, das zweite Vatikanische Konzil habe die lateinische Sprache abgeschafft. Wer so denkt dem empfehle ich, in den Konzilstexten die Konstitution über die heilige Liturgie zu studieren! Das Konzil hat vor allem für den Wortgottesdienst der hl. Messe die Einführung der Muttersprache ermöglicht. Ganz grundsätzlich sollte die lateinische Liturgiesprache beibehalten werden. Die Liturgiekonstitution betont: „Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben!“ (36/ §1.) „Es soll jedoch Vorsorge getroffen werden, dass die Christgläubigen die ihnen zukommenden Teile auch lateinisch miteinander sprechen und singen können.“(54)

 

Im Schreiben Sacramentis Caritatis lautet der Abschnitt, der die lateinische Sprache behandelt, im Wortlaut:

62. Ich denke in diesem Moment besonders an die Zelebrationen, die während der heute immer häufigeren internationalen Treffen stattfinden. Sie müssen in rechter Weise genutzt werden. Um die Einheit und die Universalität der Kirche besser zum Ausdruck zu bringen, möchte ich empfehlen, was die Bischofssynode in Übereinstimmung mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorgeschlagen hat: Es ist gut, wenn außer den Lesungen, der Predigt und den Fürbitten der Gläubigen die Feier in lateinischer Sprache gehalten wird; ebenso sollen die bekanntesten Gebete aus der Überlieferung der Kirche in Latein gesprochen und eventuell einige Teile in gregorianischem Choral ausgeführt werden. Ganz allgemein bitte ich darum, dass die zukünftigen Priester von der Seminarzeit an darauf vorbereitet werden, die heilige Messe in Latein zu verstehen und zu zelebrieren sowie lateinische Texte zu nutzen und den gregorianischen Choral zu verwenden. Man sollte nicht die Möglichkeit außer Acht lassen, dass auch die Gläubigen angeleitet werden, die allgemeinsten Gebete in Latein zu kennen und gewisse Teile der Liturgie im gregorianischen Stil zu singen.

In diesem Text sind einige konkrete Leitlinien zu erkennen:

  • Die Aussagen wiederholen die Aussagen des 2. Vatikanums, und stellen nichts Neues dar.

 

  • Bei großen internationalen Gottesdiensten sollen Hochgebet und bestimmte Teile der hl. Messe lateinisch, der Wortgottesdienst und die Verkündigung in der jeweiligen Landessprache gefeiert werden. Es soll die Einheit und Universalität der katholischen Weltkirche zum Ausdruck gebracht werden. Die Kirche ist international, sie steht über jeder Landes- und Ortskultur.

 

  • Der gregorianische Choral soll vermehrt beim Gottesdienst Verwendung finden.

 

  • Die zukünftigen Priester sollen von der Seminarzeit an darauf vorbereitet werden, Latein zu verstehen und die hl. Messe in lateinischer Sprache zu feiern.

 

  • Die Gläubigen sollen fähig sein, die einfachsten Messgebete in lateinischer Sprache zu beten bzw. zu singen.

 

  • Lateinische Texte bzw. Gebete, sowie Choralgesang sollen in der hl. Messe auch genutzt werden.

 

Diese Aussagen bedeuten für eine katholische Pfarrgemeinde:

  • Es ist nicht nur erlaubt, sondern von Papst und Bischöfen ausdrücklich gewünscht, dass bei der hl. Messe auch lateinische Elemente Verwendung finden. Dies betrifft vor allem das Hochgebet und den Choral (Gloria, Sanctus, Credo, Agnus Dei, Vater unser)

 

  • Es soll bei einem katholischen Gottesdienst als selbstverständlich empfunden werden, wenn der Priester ein lateinisches Element verwendet. Dies soll vermehrt geschehen. Ausschlaggebend dafür ist auch das persönliche Beispiel des Heiligen Vaters, der beim Gottesdienst regelmäßig und häufig die lateinische Sprache verwendet.

 

  • Unsere bisherige pfarrliche Praxis, gelegentlich (bisher ein paar Mal im Jahr) das Hochgebet oder Sanctus lateinisch zu beten bzw. zu singen, ist voll bestätigt. Wir werden bestärkt, in diese Richtung weiter zu gehen.

 

  • Ich würde gerne eine kleine Choralschola ins Leben rufen. Wer würde sich dafür interessieren?

 

Die lateinische Kultsprache ist Ausdruck der Katholizität der Kirche, Ausdruck für den einen Glauben, der Menschen aller Jahrhunderte, Völker und Kulturen miteinander verbindet.

 

Nicht zuletzt wird durch die lateinische Kirchensprache unser katholisches Denken gefördert. Die katholische Kirche ist nirgendwo eine Provinz- oder Landeskirche, sondern Weltkirche. Katholisches gesamtkirchliches Denken hat den Vorrang vor provinzieller Enge, die in manchen Diözesen, Pfarren und Ordensgemeinschaften festzustellen ist.

 

Gerade für die krisengeschüttelte Kirche in den Wohlstandsländern ist es sehr heilsam, dieses weltkirchliche Denken wieder zu lernen. Es führt uns aus den ständigen Kreisen um die eigenen Probleme heraus. Es macht uns missionarischer, dankbarer und froher.

 

Da wir kein kirchliches Provinzdenken pflegen, sondern fortschrittlich mit der Weltkirche leben, ist es für mich als Pfarrer selbstverständlich, auch in diesem konkreten Punkt die Einheit mit der Kirche zu leben. Ich freue mich, dass in unserer Pfarrgemeinde hier einiges schon gewachsen ist.

 

Wer sich mit dem Latein (noch) schwer tut, soll bitte einfach Geduld haben. Ein Grundmaß an Weite und Toleranz ist im kirchlichen Bereich immer wichtig. Was in Einheit mit der Kirche geschieht, wird Zukunft haben. Nicht zuletzt sind es unsere jungen Menschen, die hier Offenheit und Interesse zeigen.

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