01 Einführung und Speise der Wahrheit

„Sacramentum Caritatis – Sakrament der Liebe“

Nachsynodales Schreiben von Papst Benedikt XVI. – Folge 1

 

Zur Einführung

 

Anmerkungen von Pf. Müller Stephan in Kursivschrift:

 

Zum Abschluss des eucharistischen Jahres 2005 fand im Oktober in Rom die Welt-Bischofssynode zum Thema Eucharistie statt. Bei dieser Synode haben die Bischöfe verschiedenste Anliegen und Vorschläge thematisiert. Papst Benedikt XVI. gibt mit diesem Dokument eine Zusammenfassung der Synode und bringt die wichtigen Grundanliegen auf den Punkt.

 

Bei nüchterner Betrachtung können wir feststellen, dass dieses Schreiben ganz auf der Linie des zweiten Vatikanischen Konzils (1962 – 1965) liegt und nur das, was dort bereits gesagt wurde, in Erinnerung gebracht wird.

Das Schreiben ist in drei große Kapitel gegliedert:

1. Eucharistie, ein Geheimnis, das man glaubt;

2. Eucharistie, ein Geheimnis, das man feiert;

3. Eucharistie, ein Geheimnis, das man lebt.

Nachdem die Gleichgültigkeit und der Relativismus selbst bei den Gläubigen immer mehr um sich greifen, möchte die Bischofssynode die Notwendigkeit der Eucharistie im Leben des Christen betonen. Es wird das Herrenwort in Erinnerung gebracht: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das Leben in sich!“.

 

Es wird bei uns heute weitgehend übersehen, dass ein wahrer Christ von der Eucharistie, bzw. vom Sonntag her lebt. Wir feiern den Tod und die Auferstehung des Herrn.

 

Einführung (Abschnitt 1)

1. Sakrament der Liebe: (1) Die Heilige Eucharistie ist das Geschenk der Selbsthingabe Jesu Christi, mit dem er uns die unendliche Liebe Gottes zu jedem Menschen offenbart. In diesem wunderbaren Sakrament zeigt sich die »größte« Liebe, die dazu drängt, »das eigene Leben für die Freunde hinzugeben« (vgl. Joh 15,13). Ja, Jesus liebte die Seinen »bis zur Vollendung« (Joh 13,1). Mit dieser Formulierung führt der Evangelist auf die Geste unendlicher Demut hin, die Jesus vollbracht hat: Bevor er am Kreuz für uns starb, wusch er, umgürtet mit einem Leintuch, seinen Jüngern die Füße. In gleicher Weise liebt Jesus uns im eucharistischen Sakrament immer noch »bis zur Vollendung«, bis zur Hingabe seines Leibes und seines Blutes. Welch ein Staunen muß die Herzen der Apostel ergriffen haben angesichts der Gesten und Worte des Herrn während jenes Abendmahles! Welch eine Verwunderung muß das eucharistische Geheimnis auch in unserem Herzen auslösen!

 

Die Speise der Wahrheit (Abschnitt 2)

2. Im Altarssakrament kommt der Herr dem als Abbild Gottes (vgl. Gen 1,27) geschaffenen Menschen entgegen und wird sein Weggefährte. In diesem Sakrament macht sich der Herr nämlich zur Speise für den Menschen, der nach Wahrheit und Freiheit hungert. Da allein die Wahrheit uns wirklich frei machen kann (vgl. Joh 8,36), macht sich Christus für uns zur Speise der Wahrheit. In scharfsinniger Kenntnis der menschlichen Wirklichkeit hat der hl. Augustinus verdeutlicht, wie der Mensch sich freiwillig, und nicht unter Zwang, regt, wenn er auf etwas bezogen ist, das ihn anzieht und in ihm ein Verlangen erweckt. Als der heilige Bischof sich dann fragt, was den Menschen wohl letztlich im Innersten bewegen könne, ruft er aus: »Wonach verlangt die Seele denn brennender als nach der Wahrheit?« (2) Tatsächlich trägt jeder Mensch das unstillbare Verlangen nach der letzten und endgültigen Wahrheit in sich.

Darum wendet sich Jesus, der Herr, »der Weg, die Wahrheit und das Leben« (Joh 14,6) dem schmachtenden Herzen des Menschen zu, der sich als dürstender Pilger fühlt, dem Herzen, das sich nach der Quelle des Lebens sehnt, dem Herzen, das um die Wahrheit ringt. Jesus Christus ist ja die Person gewordene Wahrheit, die die Welt an sich zieht. »Jesus ist der Polarstern der menschlichen Freiheit; ohne ihn verliert sie ihre Ausrichtung, denn ohne die Erkenntnis der Wahrheit entartet die Freiheit, sie isoliert sich und wird zu steriler Willkür. Mit Jesus findet sich die Wahrheit wieder«. (3)

Im Sakrament der Eucharistie zeigt Jesus uns im besonderen die Wahrheit der Liebe, die das Wesen Gottes selbst ist. Diese im Evangelium begründete Wahrheit geht jeden Menschen und den ganzen Menschen an. Die Kirche, die in der Eucharistie ihre lebensnotwendige Mitte findet, bemüht sich darum unablässig, allen zu verkündigen, daß Gott Liebe ist, ob man es hören will oder nicht (vgl. 2 Tim 4,2). (4) Gerade weil Christus für uns zur Speise der Wahrheit geworden ist, wendet sich die Kirche an den Menschen und lädt ihn ein, das Geschenk Gottes frei anzunehmen

 

(1) Vgl. Thomas von Aquin, Summa Theologiae III, q. 73, a. 3.

(2) Augustinus, In Iohannis Evangelium Tractatus, 26.5: PL 35, 1609.

(3) Benedikt XVI., Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Kongregation für die Glaubenslehre (10. Februar 2006): AAS 98 (2006), 255.

(4) Vgl. Benedikt XVI., Ansprache an die Teilnehmer der dritten Versammlung des XI. Ordentlichen Rates des Generalsekretariats der Bischofssynode (1. Juni 2006): L'Osservatore Romano (dt.) 36. Jg. Nr. 26, S. 9.

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok