13 Der Sinn von Ruhe und Arbeit

„Sacramentum Caritatis – Sakrament der Liebe“

 

Nachsynodales Schreiben von Papst Benedikt XVI. – Folge 13

Artikel 74

 

DER SINN VON RUHE UND ARBEIT

 

Einleitende Anmerkung: Die folgenden Worte sprechen von der Bedeutung der Arbeitsruhe am Sonntag. Der christliche Sonntag vermittelt uns das rechte Verständnis der menschlichen Arbeit - sie ist ein Mittel, aber nicht das Ziel unseres Lebens. Ohne Arbeitsruhe laufen wir in Gefahr, wieder in eine Form der Sklaverei zurückzufallen, die vor dem Christentum einmal bestand. Der Sonntag mit seiner Arbeitsruhe vermittelt uns die so notwendigen geistigen Dimensionen unseres Lebens.

                                                                                                           Pf. Stephan Müller

 

Schließlich ist es in unserer Zeit besonders dringend, daran zu erinnern, daß der Tag des Herrn auch der Tag der Ruhe von der Arbeit ist. Wir wünschen uns von Herzen, daß er als solcher auch von der zivilen Gesellschaft anerkannt wird, so daß es möglich ist, von der beruflichen Tätigkeit frei zu sein, ohne dafür bestraft zu werden.

 

Tatsächlich haben die Christen - nicht ohne Beziehung zur Bedeutung des Sabbats in der jüdischen Tradition - im Tag des Herrn auch den Tag der Ruhe von den alltäglichen Mühen gesehen. Das hat seinen ganz bestimmten Sinn, denn es stellt eine Relativierung der Arbeit dar, die auf den Menschen ausgerichtet wird: Die Arbeit ist für den Menschen da und nicht der Mensch für die Arbeit. Der Schutz, der dadurch dem Menschen selbst geboten wird, ist leicht zu erahnen: Auf diese Weise ist er von einer möglichen Form der Sklaverei befreit.

 

Wie ich bereits betont habe, »besitzt die Arbeit eine primäre Bedeutung für die Verwirklichung des Menschen und für die Entwicklung der Gesellschaft, und muß darum immer in voller Achtung der menschlichen Würde und im Dienst am Gemeinwohl organisiert und entfaltet werden.

 

Zugleich ist es unverzichtbar, daß der Mensch sich nicht von der Arbeit verknechten läßt, daß er sie nicht zum Götzen macht, indem er sich einbildet, in ihr den letzten und endgültigen Sinn des Lebens zu finden«. (209) Der gottgeweihte Tag ist es, der dem Menschen das Verständnis für den Sinn seines Lebens und auch seiner beruflichen Tätigkeit erschließt. (210)

Anmerkungen:

(209) Homilie (19. März 2006): AAS 98 (2006), 324.

 

(210) Ganz richtig bemerkt diesbezüglich das Kompendium der Soziallehre der Kirche, 258: »Dem an die Notwendigkeit der Arbeit gebundenen Menschen öffnet die Ruhe die Aussicht auf eine vollkommenere Freiheit, die des ewigen Sabbats (vgl. Hebr 4,910). Die Ruhe gestattet den Menschen, sich die Werke Gottes von der Schöpfung bis zur Erlösung ins Gedächtnis zu rufen und sie nachzuerleben, sich selbst als sein Werk anzuerkennen (vgl. Hebr 2,10) und für das eigene Leben und Bestehen dem Dank zu sagen, der sein Urheber ist.«

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