12 Messe am Sonntag oder am Vorabend

„Sacramentum Caritatis – Sakrament der Liebe“

Nachsynodales Schreiben von Papst Benedikt XVI. – Folge 12

 

DAS SONNTAGSGEBOT LEBEN (Abschnitt 73)

DIE SONNTAGSMESSE HAT DEN VORRANG VOR DER VORABENDMESSE

 

Einleitende Anmerkung: Die folgenden Worte sprechen vom unersetzbaren Wert der Sonntagsmesse für den Christen. Weil es sich konkret um den Sonntag handelt, will der Sonntag mit der Eucharistiefeier geheiligt werden, nicht ein anderer Tag. Die so genannte Vorabendmesse am Samstagabend ist von der Kirche als Möglichkeit für jene gedacht, die am Sonntag an der Mitfeier der Hl. Messe aus einem gerechten Grund verhindert sind. Der Samstagabend hat jedoch nicht den gleichen Stellenwert wie der Sonntag. Wir sollten nicht die Haltung haben: „Ich gehe am Samstagabend zur Hl. Messe, dann habe ich den Sonntag für mich.“ Hier hat sich auch Bequemlichkeit breit gemacht, die wir überwinden sollten.

                                                                                                           Pf. Stephan Müller

 

Im Wissen um dieses neue Lebensprinzip, das die Eucharistie in den Christen einpflanzt, haben die Synodenväter die Bedeutung des Sonntagsgebotes als Quelle authentischer Freiheit für alle Gläubigen bekräftigt, damit sie jeden anderen Tag in Übereinstimmung mit dem leben können, was sie am »Tag des Herrn« gefeiert haben.

 

Das Glaubensleben ist nämlich in Gefahr, wenn der Wunsch nicht mehr empfunden wird, an der Eucharistiefeier teilzunehmen, in der man des Ostersieges gedenkt. Gemeinsam mit allen Brüdern und Schwestern, mit denen man ein Leib in Christus ist, an der sonntäglichen liturgischen Versammlung teilzunehmen, wird vom christlichen Gewissen gefordert und bildet zugleich das christliche Gewissen.

 

Das Empfinden für den Sonntag als den zu heiligenden Tag des Herrn zu verlieren, ist ein Symptom für ein Abhandenkommen des eigentlichen Sinns der christlichen Freiheit, der Freiheit der Kinder Gottes. (206) Diesbezüglich bleiben die Bemerkungen wertvoll, die mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. im Apostolischen Schreiben Dies Domini (207) gemacht hat im Zusammenhang mit den verschiedenen Dimensionen des Sonntags für die Christen: Dieser Tag ist Dies Domini/Tag des Herrn in bezug auf das Schöpfungswerk; er ist Dies Christi/Tag Christi, weil er der Tag der neuen Schöpfung und des Geschenks des Heiligen Geistes ist, das der Auferstandene Herr macht; er ist Dies Ecclesiae/Tag der Kirche als der Tag, an dem die christliche Gemeinde sich zur Feier zusammenfindet; er ist Dies hominis/Tag der Menschen als Tag der Freude, der Ruhe und der Bruderliebe.

 

Ein solcher Tag offenbart sich daher als »Ur-Feiertag«, an dem jeder Gläubige in der Umgebung, in der er lebt, zum Verkünder und Hüter des Sinnes der Zeit werden kann. Aus diesem Tag gehen nämlich der christliche Sinn des Lebens hervor und eine neue Art, die Zeit, die Beziehungen, die Arbeit, das Leben und den Tod zu erleben.

 

Darum ist es gut, wenn von kirchlicher Seite um die Eucharistiefeier herum eigene Veranstaltungen der christlichen Gemeinde organisiert werden: freundschaftliches Beisammensein, Initiativen zur Erziehung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Glauben, Wallfahrten, Werke der Nächstenliebe und verschiedene Zeiten des Gebetes.

 

So wahr es ist, dass der Samstagabend von der ersten Vesper an schon zum Sonntag gehört und es darum erlaubt ist, an ihm bereits die Sonntagspflicht zu erfüllen, ist es aufgrund dieser so bedeutenden Werte doch nötig, ins Gedächtnis zurückzurufen, dass es der Sonntag selbst ist, der verdient, geheiligt zu werden, damit er am Ende nicht ein Tag der »Gottesleere« wird.

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