09 Priestermangel und Berufungspastoral

„Sacramentum Caritatis – Sakrament der Liebe“

Nachsynodales Schreiben von Papst Benedikt XVI. – Folge 9

 

Priestermangel und Berufungspastoral (aus Abschnitt 25)

Einleitende Anmerkung: Die Synodenväter haben auch über Berufungspastoral nachgedacht: Was können wir tun, um priesterliche Berufungen zu fördern? Verschiedene Ebenen werden angesprochen: Sorgfältige Auswahl der Priesteramtskandidaten; die Offenheit der Eheleute für einen größeren Kinderreichtum; die Offenheit der Eltern für eine etwaige Berufung zum Gottgeweihten Leben ihrer Kinder usw. In anderen Zusammenhängen wird auch häufig das Gebet um Berufungen genannt.

Die Priester selber müssen Zeugnis geben, dass sie in ihrer Berufung glücklich sind und tiefe Freude an ihrem Dienst haben. Ob junge Menschen fähig werden, auf den Ruf Gottes mit einem offenen JA zu antworten wird auch davon abhängen, wie mit Priestern und Gottgeweihten umgegangen wird. Wenn der priesterliche Dienst vom gläubigen Volk geschätzt und gerne beansprucht wird (Messbesuch, Beichte…), wenn der Priester zuerst ein Mann Gottes und des Gebetes sein darf, nicht ein Supermanager, dann werden sich Jugendliche leichter tun, sich für den geistlichen Stand zu entscheiden. Umgekehrt: Wenn Kleriker – vom Papst beginnend bis zu einfachen Priestern - von Erwachsenen ständig unbegründete Kritik erfahren, werden jungen Menschen solche Entscheidungen sicher sehr erschwert.

Jeder ist also mitverantwortlich, an einem Klima mitzubauen, in dem die zarten Pflänzchen einer geistlichen Berufung wachsen und gedeihen können.                        Pf. Stephan Müller

 

Im Zusammenhang mit der Verbindung zwischen Weihe und Eucharistie ist die Synode näher auf die Verlegenheit eingegangen, in die einige Diözesen geraten, wenn es darum geht, sich mit dem Priestermangel auseinanderzusetzen. Das geschieht nicht nur in einigen Gebieten der Erstevangelisierung, sondern auch in vielen Ländern mit langer christlicher Tradition. Sicher ist zur Lösung des Problems eine gerechtere Verteilung des Klerus hilfreich. Darum bedarf es einer Arbeit umfassender Sensibilisierung.

 

Die Bischöfe sollten auf dem Gebiet des seelsorglichen Bedarfs die Institute gottgeweihten Lebens und die neuen kirchlichen Gruppierungen unter Berücksichtigung ihres je eigenen Charismas einbeziehen und alle Mitglieder des Klerus zu einer größeren Bereitschaft ermahnen, der Kirche dort zu dienen, wo es notwendig ist, auch wenn das Opfer verlangt.

 

Außerdem wurde in der Synode über die pastoralen Maßnahmen diskutiert, die getroffen werden müssen, um vor allem bei den Jugendlichen die innere Offenheit gegenüber der Priesterberufung zu begünstigen. Diese Situation kann nicht durch bloße pragmatische Kunstgriffe gelöst werden. Es ist zu vermeiden, dass die Bischöfe unter dem Druck durchaus verständlicher funktionaler Sorgen aufgrund des Priestermangels keine angemessene Berufungsklärung vornehmen und Kandidaten, die nicht die für den priesterlichen Dienst notwendigen Eigenschaften besitzen, zur spezifischen Ausbildung und zur Weihe zulassen.

 

Ein mangelhaft ausgebildeter Klerus, der ohne die gebotene Prüfung zur Weihe zugelassen worden ist, wird kaum ein Zeugnis bieten können, das geeignet ist, in anderen den Wunsch zu wecken, dem Ruf Christi großherzig zu folgen. Die Berufungspastoral muss wirklich die ganze christliche Gemeinschaft in all ihren Bereichen einbeziehen.

 

Natürlich schließt diese flächendeckende pastorale Arbeit auch die Sensibilisierung der Familien ein, die einer vermutlichen Priesterberufung oft gleichgültig, wenn nicht sogar ablehnend gegenüberstehen. Sie sollen sich großherzig dem Geschenk des Lebens öffnen und die Kinder zur Verfügbarkeit gegenüber dem Willen Gottes erziehen. In wenigen Worten: Es bedarf vor allem des Mutes, den Jugendlichen die Radikalität der Nachfolge Christi nahezubringen, indem man ihnen zeigt, welche Faszination darin liegt.

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