08 Eucharistie und Zölibat

„Sacramentum Caritatis – Sakrament der Liebe“

Nachsynodales Schreiben von Papst Benedikt XVI. – Folge 8

 

Eucharistie und priesterlicher Zölibat (Abschnitt 24)

 

Anmerkungen vom Pfarramt in Kursivschrift: Die priesterliche Ehelosigkeit (Zölibat) sorgt immer wieder für Diskussionen. In dieser Sache ist es sehr wichtig, ganz mit der Kirche zu denken und zu sprechen.

< Der Blick auf andere christliche Konfessionen, in denen die Priesterehe möglich ist, zeigt, dass die Einführung der Ehe für Priester keine Lösung der Probleme bietet. Im Gegenteil, es kommen neue Probleme dazu: die geschiedenen Priesterehen.

< Auch der so genannte „Priestermangel“ kann durch Heiraten nicht überwunden werden, das beweist die Situation bei unseren evangelischen Mitchristen.

< Die Ursachen für Entgleisungen und Untreue bei katholischen Priestern sind nicht beim Zölibat zu suchen. Sie liegen tiefer. Wenn der Priester z.B. kein „Mann des Gebetes“ mehr ist, wenn er Kompromisse in der priesterlichen Lebensführung macht, im Alltag nicht mehr als Priester erkennbar ist, werden hier die Weichen für kommende Krisen gestellt.

< Noch ein Wort zum so genannten „Priestermangel.“ Wir haben bei uns keinen Priestermangel, sondern einen „Katholikenmangel“, einen Glaubensmangel. Ein Volk, das gerne das Wort Gottes hört, die Sakramente der Buße und Eucharistie schätzt, Freude am Gebet hat, wird immer auch die nötigen geistlichen Berufungen von Gott bekommen. Wer die Sakramente schätzt, vor allem das hl. Messopfer, wird auch die nötigen Anstrengungen (z.B. Fahrten) auf sich nehmen, um die Eucharistie mitfeiern zu können, vor allem am Sonntag.

                                                                                                       Pf. Stephan Müller

 

Die Synodenväter haben hervorgehoben, dass das Amtspriestertum durch die Weihe eine vollkommene Gleichgestaltung mit Christus erfordert. Bei aller Achtung gegenüber der abweichenden ostkirchlichen Handhabung und Tradition ist es doch notwendig, den tiefen Sinn des priesterlichen Zölibats zu bekräftigen, der zu Recht als ein unschätzbarer Reichtum betrachtet wird; in der Ostkirche findet er seine Bestätigung darin, dass die Auswahl der Kandidaten zum Bischofsamt nur unter zölibatär lebenden Priestern vorgenommen wird und der von vielen Priestern freiwillig gelebte Zölibat hohes Ansehen genießt. In dieser Wahl des Priesters kommen nämlich in ganz eigener Weise seine Hingabe, die ihn Christus gleichgestaltet, und seine Selbstaufopferung ausschließlich für das Reich Gottes zum Ausdruck.

 

Die Tatsache, dass Christus, der ewige Hohepriester, selber seine Sendung bis zum Kreuzesopfer im Stand der Jungfräulichkeit gelebt hat, bietet einen sicheren Anhaltspunkt, um den Sinn der Tradition der lateinischen Kirche in dieser Sache zu erfassen. Deshalb reicht es nicht aus, den priesterlichen Zölibat unter rein funktionalen Gesichtspunkten zu verstehen.

 

In Wirklichkeit stellt er eine besondere Angleichung an den Lebensstil Christi selbst dar. Eine solche Wahl hat vor allem hochzeitlichen Charakter; sie ist ein Sicheinfühlen in das Herz Christi als des Bräutigams, der sein Leben für die Braut hingibt.

 

In Einheit mit der großen kirchlichen Tradition, mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und meinen Vorgängern im Petrusamt bekräftige ich die Schönheit und die Bedeutung eines im Zölibat gelebten Priesterlebens als ausdrucksvolles Zeichen der völligen und ausschließlichen Hingabe an Christus, an die Kirche und an das Reich Gottes und bestätige folglich seinen obligatorischen (=verbindlichen) Charakter für die lateinische Tradition (=die römisch katholische Kirche). Der in Reife, Freude und Hingabe gelebte priesterliche Zölibat ist ein sehr großer Segen für die Kirche und für die Gesellschaft selbst.

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